München – Als die Flüchtlingszahlen im Sommer 2025 stark stiegen, verschärfte Griechenland seine Migrationsregeln massiv. Im Interview erklärt der griechische Botschafter in Berlin, Alexandros Papaioannou, was es gebracht hat.
Herr Botschafter, im Januar hat sich die Zahl der Asyl-Erstanträge hierzulande halbiert. Spürt man in Griechenland den abnehmenden deutschen Pull-Faktor?
Es stimmt, die so genannte Sekundärmigration ist definitiv zurückgegangen. Heute erreichen viel weniger Menschen griechisches Festland, deren eigentliches Ziel Deutschland ist. In der Vergangenheit waren das vor allem Syrer und deren Zahl hat seit dem Ende des Assad-Regimes stark abgenommen.
Wir wollten darauf hinaus, dass die „Willkommenskultur“ wie ein Magnet auf viele Menschen wirkte…
Absolut, mir wurden da teils unglaubliche Geschichten erzählt. Es gab Migranten, die nach Deutschland wollten, aber – danach gefragt – gar nicht wussten, wo genau Deutschland auf der Weltkarte liegt. Ihr Land war eine Art Paradies für viele Menschen. Das ist heute nicht mehr der Fall.
Griechenland hat seine Migrationsregeln wegen hoher Ankunftszahlen auf Kreta deutlich verschärft. Wie ist die Situation heute?
Sie schwankt. Letzten Sommer gab es einen enormen Anstieg der Fluchtbewegungen über die libysche Ostküste – die verschärften Regeln waren unsere Reaktion darauf. Betroffen waren vor allem Migranten aus Ägypten und Sudan. Sie kamen in geschlossene Aufnahmezentren, ihre Asylanträge wurden drei Monate lang nicht bearbeitet, gegen sie wurde wegen illegalen Grenzübertritts ermittelt. All das sollte der Abschreckung dienen und es zeigte Wirkung: Im November gingen die Ankünfte zurück. Dabei spielte aber auch das Wetter eine wichtige Rolle…
Weil im Winter weniger Migranten kommen?
Genau. Und offen gesagt sorgen wir uns darum, was geschieht, wenn es bald wärmer wird. Wir haben das Problem besser unter Kontrolle, gelöst ist es nicht. Es braucht eine langfristige Lösung. Die ägyptischen Behörden sollten bei der Rücknahme ihrer Bürger besser mit uns kooperieren, um zu signalisieren, dass sich eine Flucht durch die Wüste nicht lohnt. Das größere Problem ist aber die De-facto-Regierung im Osten Libyens, die wir nicht anerkennen.
Für die harte griechische Linien hagelte es Kritik…
Nicht aus der EU. Brüssel hat verstanden, dass wir nicht nur unsere eigene Grenze schützen müssen, sondern auch die EU-Außengrenze. Aber es stimmt schon, Kritik gab es vor allem von NGOs. Ich sage: Wir haben auf eine spezielle Zeit mit speziellen Maßnahmen reagiert.