München – Es war der letzte Tropfen, der Ende 2023 das Fass zum Überlaufen gebracht hat: Die Streichung der Agrardiesel-Rückerstattung durch die Ampel-Regierung hat tausende von Bäuerinnen und Bauern auf die Straßen getrieben. Letztlich konnten sie mit ihrem anhaltenden Protest die Rücknahme der Pläne erreichen. Seit Jahresbeginn 2026 wird die Rückvergütung wieder in voller Höhe ausgezahlt. Sie gilt als Ausgleich für die hohe Steuerlast bei Maschinen, die überwiegend abseits öffentlicher Straßen genutzt werden, und als Wertschätzung für die heimische Lebensmittelproduktion.
Doch längst nicht alle Landwirte beantragen die Rückerstattung, hat eine Recherche des Bayerischen Rundfunks erbracht. Demnach haben 2022 nur 57 Prozent der Landwirte einen Antrag auf steuerliche Entlastung von 21,48 Cent pro Liter Diesel gestellt.
„Das bedeutet offensichtlich, dass viele Betriebe auch ohne diese Agrardiesel-Rückerstattung auskommen“, bewertet Karl Bär, Bundestagsabgeordneter der Grünen, gegenüber dem BR die Datenlage. Doch man muss die Zahlen genauer anschauen. Zunächst einmal liegt die Zahl der Antragssteller in Bayern deutlich höher: 68 Prozent der Landwirte haben die Rückerstattung 2021 beantragt. Übertroffen wird das nur von Niedersachsen, wo die Quote bei 71 Prozent lag.
Dass 32 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe im Freistaat keinen Antrag gestellt haben, führt Markus Drexler, Pressesprecher des Bayerischen Bauernverbands (BBV), auf Nachfrage auf die im Vergleich relativ kleinen Strukturen der Bauernhöfe in Bayern zurück. Es gebe zahlreiche kleine Betriebe, die an der Bagatellgrenze für die Rückerstattung scheitern. Waldbesitzer etwa mit einigen wenigen Hektar Wald, die mit ihrem Dieselverbrauch die Grenze von 50 Euro Rückerstattung nicht überschreiten. „Wir haben in Bayern 66 Prozent Nebenerwerbsbetriebe“, gibt Drexler zu bedenken. Darunter seien offenbar viele, „bei denen der Antrag schlicht nicht zum Tragen kommt“.
Insgesamt stehe Bayern im Bundesvergleich aber ganz gut da, sagt Drexler. Wäre die Agrardiesel-Rückerstattung nicht wieder eingeführt worden, hätte die deutsche Land-und Forstwirtschaft im europäischen Vergleich den teuersten Kraftstoff gehabt. Das hätte den Wettbewerb verzerrt. Zudem hätten die deutschen Landwirte diesen Nachteil nicht ausgleichen können: „Man kann ja die Fahrzeuge nicht mit einem Fingerschnippen auf Elektro-Betrieb umstellen.“
Die durchschnittliche Rückerstattung hat das Bundesagrarministerium mit 2790 Euro beziffert. Im Einzelfall ist das allerdings abhängig von der Größe des Betriebes und der Bewirtschaftungsform. In vielen Fällen sind es laut Drexler Beträge, die durchaus zur Kostenstruktur eines Betriebes zu rechnen seien. „Da geht es um das, was am Ende des Tages übrigbleibt.“ Der Bauernverband unterstütze seine Mitglieder mit Beratung bei der Antragstellung. Das Thema Agrardiesel habe 2023 alle Berufsgruppen betroffen, als die Rückvergütung in einer „Nacht- und Nebelaktion gekippt“ worden sei – und den Berufsstand geeint. Man habe den Bauern keine Alternative geboten, wie sie die Mehrkosten auffangen können.CLAUDIA MÖLLERS