Es ist Zeit, sich zu bedanken – bei den Münchner U-Bahn-, Bus- und Tram-Fahrern, die gestern gearbeitet haben, obwohl Verdi zum Streik aufgerufen hatte. Diesmal streikten weniger Fahrer als eine Woche zuvor. Also fuhren mehr Busse – und die U6 zur Arena war viel früher in Betrieb als angedacht.
Die Fahrer, die gearbeitet haben, haben bewiesen, dass sie über besseres Urteilsvermögen verfügen als die Gewerkschaft. Die Verhandlungen haben ja noch gar nicht richtig begonnen – und als Verdi-Forderung stehen über zehn Prozent mehr Gehalt (für weniger Arbeit) im Raum.
Zahlen müssten das die Ticketkäufer – oder eine Stadt, der eh das Geld ausgeht. Ein Gedankenexperiment: Wie wär‘s, wenn die Stadt alle Forderungen erfüllt, Fahrer spitzenmäßig zahlt und dann kein Geld mehr für neue Busse hat? Und noch ein Gedanke (der schon über den Experimental-Status hinaus ist): MVG-Boss Ingo Wortmann war gerade in Rotterdam, um sich anzuschauen, wie dort die fahrerlosen Busse funktionieren. Sicher ist: Streikende Mitarbeiter können den Chef derzeit ja nur darin bestärken, ihre eigene Abschaffung zu beschleunigen. ULRICH.HEICHELE@OVB.NET