PRO & CONTRA: SOZIALE MEDIEN

Jugendliche brauchen mehr Schutz

von Redaktion

Selbst Mitarbeiter von Techkonzernen können ins Staunen kommen, wenn Jugendliche wieder mal die Altersbegrenzung am Smartphone oder auf einer Onlineplattform ausgetrickst haben. Junge Leute haben bei technischen Herausforderungen eine enorme Kompetenz, und das wäre auch sehr erfreulich, wenn es nicht gleichzeitig so verhängnisvoll wäre. Denn dass vieles, was im Netz herumschwirrt, ungesund bis schädlich ist, dürfte außer Frage stehen.

Jugendliche benötigen da einen besonderen Schutz. Mit 13, 14, 15 sind sie leicht beeinflussbar, gutgläubig, im schlimmsten Fall ohnmächtig gegenüber Grenzüberschreitungen. Ganz zu schweigen von dem Suchtfaktor, der Soziale Medien zu einem beispiellosen Zeitfresser macht. Der mag auch für Ältere gelten, aber vor allem in jungen Jahren, wo neben Schule und sportlicher Betätigung auch soziale Kompetenzen erlernt werden sollten, ist dieser Einfluss fatal.

Es ist richtig, in dieser Frage auf die besondere Verantwortung der Eltern zu verweisen – aber auch sehr bequem. Jeder Vater, jede Mutter weiß, welche Sprengkraft das Thema der Sozialen Medien in Debatten mit Heranwachsenden hat. Ein sachliches Abwägen von Pro und Contra hat da kaum mehr eine Chance. Natürlich ist es immer das Elternhaus, wo Erziehung beginnt. Und doch gibt es eine Welt da draußen, die für Jugendliche immer wichtiger und reizvoller wird. Als Eltern stößt man da irgendwann ans Limit, mögen die Absichten noch so gut sein.

Den entscheidenden Einfluss haben am Ende die Plattformbetreiber. Aktuell nutzen sie ihn mit niedrigschwelligem Zugang, makelloser Optik und der Verführungskraft ihrer Algorithmen. Hier müsste ein Verbot einsetzen. Mit Regeln, die echte Grenzen setzen, nachprüfbaren Alterskontrollen und – bei Nichtbeachten – empfindlichen Strafen. Jugendliche werden mit den Jahren reifer, meist auch vernünftiger. Bei Konzernen ist zu befürchten, dass der Lerneffekt ausschließlich übers Konto führt.MARC.BEYER@OVB.NET

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