Vatikanstadt – Lange war es still um die Traditionalisten der Piusbruderschaft. Noch 2009 sorgte die aus mehreren hundert Priestern bestehende Vereinigung für einen weltweiten Skandal. Damals hatte Papst Benedikt XVI. die exkommunizierten Traditionalisten-Bischöfe wieder in die Kirche aufgenommen und dabei übersehen, dass einer von ihnen, der inzwischen verstorbene englische Bischof Richard Williamson, ein Holocaust-Leugner war.
Nun könnte auf Papst Leo XIV. ein neuer Eklat zukommen: Die Piusbrüder drohen mit neuen Bischofsweihen am 1. Juli. Derzeit haben die Piusbrüder noch zwei Bischöfe, ohne sie können sie keine Priester weihen. Heute soll der Obere der Bruderschaft, der italienische Geistliche Davide Pagliarani (55), mit dem Präfekten der vatikanischen Glaubensbehörde, Kardinal Víctor Fernández, in Rom zusammentreffen. Für den Papst ist das eine schwierige Situation. Er ist angetreten mit dem Anspruch, die Einheit der katholischen Kirche zu festigen. Erlaubt er die Weihen, wird man ihn zu den Ewiggestrigen zählen. Verbietet er sie, riskiert er ein Schisma mit den Traditionalisten.KNA/CM