Schon der Name führt in die Irre: „Social Media“! Kaum etwas an Tiktok, X oder Facebook ist sozial. Längst geht es nicht mehr darum, mit alten Freunden in Kontakt zu bleiben. Die Netzwerke sind ein riesiger Wirtschaftsfaktor, dienen als Plattformen für Handel und Politik. Und vor allem sind sie Bühne für Narzissten, Selbstdarsteller und Spinner. Jeder darf hier Unsinn verbreiten – und viel zu viele glauben das. Mit dem Alter hat das nichts zu tun. Auch Erwachsene sind gefährdet.
Deshalb geht ein Verbot für Kinder und Jugendliche am eigentlichen Bedarf vorbei. Im Gegenteil: Der richtige Umgang mit dem Internet ist heute längst ein wesentlicher Teil der Erziehung. Schulen müssten Medienkompetenz lehren, die Eltern das richtige Beispiel geben. Hier versagen leider viele: Sie drücken Kindern das iPad in die Hand, um Ruhe zu haben. Andere hängen selbst ständig am Handy. Es wäre kurzsichtig zu glauben, mit einer Altersbeschränkung sei das Problem erledigt. Dabei sehen viele Kinder sogar Pornos – obwohl das verboten ist.
Nein, das Problem mit den asozialen Medien greift viel weiter. Und es wird noch wachsen, wenn dank KI beliebig Fotos und Informationen gefälscht werden. Zum einen gibt es keinerlei inhaltliche Kontrolle, was organisierte Desinformation (auch durch Staaten) Tür und Tor öffnet. Zum zweiten wird der Algorithmus nicht reglementiert. Welche Auswirkungen das hat, sah man, als Elon Musk aus Twitter X machte. Plötzlich erreichten Musks Beiträge viel mehr User, auch rechtsextreme Inhalte fanden größere Verbreitung. Zufall?
Längst haben sich die Echokammern vom wahren Leben entkoppelt. In der Kombination mit den Suchtfaktoren von Tiktok oder Instagram ist das für die Gesellschaft insgesamt gefährlich. Jede Zeitung muss sich vor dem Presserat rechtfertigen. Im Internet aber regiert der Wilde Westen. Deshalb muss die Politik den Konzernen strengere Regeln für ihre Geschäftsmodelle geben. Kinder sind da nur ein Randaspekt.MIKE.SCHIER@OVB.NET