Angela Merkel will nicht, Julia Klöckner, Karin Prien, Ilse Aigner und Annegret Kramp-Karrenbauer schon eher. © dpa (3), afp (2)
München – Für Angela Merkel selbst ist die Geschichte, die seit gestern kursiert, überhaupt keine. „Abwegig“ sei die Theorie, die Altkanzlerin könne als Bundespräsidentin im Frühjahr 2027 die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier antreten, teilte eine Sprecherin umgehend mit. Die „Bild“ hatte öffentlich darüber spekuliert und sich auf ein diffuses Unbehagen innerhalb der CDU berufen, die als stärkste Fraktion das entscheidende Wort in der Bundesversammlung haben wird. Tenor: Die Grünen könnten die bei ihren eigenen Wählern durchaus beliebte Merkel für das Amt vorschlagen und damit den Bundeskanzler in eine heikle Lage bringen. Friedrich Merz ist seiner Vorvorgängerin bekanntlich in herzlicher Abneigung verbunden.
Die Wellen, die die Meldung schlug, ebbten ebenso rasch wieder ab. Man hätte es ahnen können. Von einem „heißen Gerücht“ ist schließlich in der „Bild“-Schlagzeile die Rede. Übersetzt heißt das so viel wie: Da ist nicht viel dran. Prompt dementierten auch die Grünen jegliche Gedankenspiele in diese Richtung.
Tatsächlich gibt es wesentlich mehr Gründe gegen eine Bundespräsidentin Merkel als dafür. Zwar gilt es als Konsens, dass es Zeit sei für ein erstes weibliches Staatsoberhaupt. Doch Merkel lässt bisher keinerlei Interesse erkennen, ihr entschleunigtes Leben nach Jahrzehnten in der Spitzenpolitik wieder aufzugeben. Unwahrscheinlich ist auch, dass sich der Bundeskanzler ausgerechnet für seine Lieblingsfeindin aussprechen wird. Ähnlich groß wie in wesentlichen Teilen der CDU ist der Widerstand bei der CSU.
Eine Kandidatur würde das Land zudem tief spalten. Jenen, die Merkel noch heute schätzen und ihrem unaufgeregten Stil nachtrauern, steht eine zahlenmäßig große und emotional leicht entflammbare Gruppe gegenüber, die sie aus tiefstem Herzen ablehnt. Vor allem im Osten, wo diesen Herbst zwei Landtagswahlen anstehen, hätte die Personalie maximale Sprengkraft.
Die Episode zeigt gleichwohl, wie sehr das Thema das politische Berlin umtreibt. Denn selbst wenn es noch ziemlich genau ein Jahr dauert bis zur Entscheidung der Bundesversammlung (spätestens 16. Februar 2027), bringen sich die Kandidaten längst in Stellung. Sie reden nur nicht darüber. Je eher man sich aus der Deckung wagt, desto mehr Beulen handelt man sich in der öffentlichen Debatte ein.
Zum ersten Mal Fahrt nahm das Thema im vergangenen Frühsommer auf, als die Rufe nach einer Frau im höchsten Amt nicht mehr zu überhören waren. Als erste Kandidatinnen kursierten Annegret Kramp-Karrenbauer und Ilse Aigner. Die frühere CDU-Chefin allerdings stieg im Dezember zur Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung auf, in einer Stichwahl gegen den Merz-Kandidaten. Aigner wiederum hält sich demonstrativ bedeckt. Anfragen wehrt sie mit dem Hinweis ab, der Respekt vor Steinmeier gebiete Zurückhaltung. Es gebe aber Schlimmeres, als öffentlich für so ein Amt gehandelt zu werden.
Aus ihrer Partei wiederum hört man Zweifel, die gar nicht mal mit ihr selbst zu tun haben. Die grundsätzliche Befürchtung ist, dass die CDU der Schwesterpartei dieses prestigereiche Amt nicht überlassen werde, die eigenen Abgeordneten seien schon mit der Verteilung der Ministerposten in der Koalition unzufrieden gewesen. Merz könne es sich gar nicht leisten, eigene Kandidatinnen zu übergehen.
Konkret gelten in der CDU Bildungsministerin Karin Prien und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner als denkbare Anwärterinnen. Die liberale Prien wäre wohl auch dem Koalitionspartner SPD vermittelbar, die konservative Klöckner hingegen nicht so leicht. Dass die Sozialdemokraten selbst jemanden ins Rennen schicken, ist aktuell unwahrscheinlich.