KOMMENTARE

Zeitenwende statt Gemauschel

von Redaktion

Suche nach Bundespräsidentin

Hinter den Kulissen läuft das Gerangel um den nächsten Bundespräsidenten ja schon länger – mit der „Bild“-Spekulation, Angela Merkel solle auf Vorschlag der Grünen die Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier werden, hat die Debatte einen neuen, einen absurden Höhepunkt erreicht. So glasklar und glaubwürdig Merkels Dementi ist: Allein das in Berlin gestreute Gerücht zeigt, dass die Kandidatinnen-Suche auf dem völlig falschen Gleis läuft.

Denn bei all den Namen, die gehandelt werden, geht es immer nur um die üblichen parteitaktischen Spielchen: Merkel? Damit lässt sich Merz am besten ärgern. Ilse Aigner? Gegen die CSU-Frau spricht, dass die CDU dran ist, zumal die Merz-Partei bei der Minister-Verteilung zu schlecht abgeschnitten habe. Außerdem könne Söder dann ja überhaupt gar nie nicht mehr vom Kanzleramt träumen… Also irgendeine CDU-Frau, wobei die Betonung auf „irgendeine“ zu liegen scheint, angesichts der kursierenden Namen wie Julia Klöckner oder Karin Prien.

So gut es ist, dass wenigstens darüber Einigkeit herrscht, dass endlich mal eine Frau ins Schloss Bellevue einziehen sollte: Diskutiert wird nur entlang der gewohnten Partei-Linien.

Der Öffentlichkeit bietet sich das so unschöne wie erwartbare Bild von Parteien-Geschacher. Dabei ignorieren Friedrich Merz, Lars Klingbeil und Co., dass wir auch in der Politik eine Zeitenwende erleben. Angesichts der weltweiten Bedrohung der Demokratie, angesichts des Vertrauensverlustes in die Institutionen würden Union und SPD wahre Größe zeigen, wenn sie eine Frau jenseits des Politik-Betriebes ins höchste Staatsamt hieven. Eine Wissenschaftlerin wie Florence Gaub, eine Schriftstellerin wie Herta Müller – eine Persönlichkeit, die auch mal unbequem sein könnte. Aber Veränderung signalisiert.KLAUS.RIMPEL@OVB.NET

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