Ärger im Wahlkampf: Spitzenkandidat Markus Frohnmaier © dpa
Berlin/Magdeburg – Vorwürfe der Vetternwirtschaft gegen AfD-Funktionäre sorgen innerhalb der Partei für Unmut. Der Thüringer Landeschef Stefan Möller sprach sich für schärfere Verhaltensregeln aus. „Unser Anspruch als AfD war immer, dass wir sauberer agieren als die anderen Parteien“, sagte der Bundestagsabgeordnete dem „Stern“. Auch wenn die Anstellungen legal seien, bedeuteten sie ein Problem für die Glaubwürdigkeit.
In Sachsen-Anhalt waren mehrere Fälle bekannt geworden, in denen Familienngehörige von AfD-Politikern bei anderen Abgeordneten beschäftigt worden sind. So sollen etwa drei Geschwister eines AfD-Spitzenpolitikers bei einer Abgeordneten angestellt sein. Nach ARD-Recherchen soll auch der Vater von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund als Mitarbeiter eines Bundestagsbüros arbeiten – für 7725 Euro monatlich. AfD-Parteichef Tino Chrupalla sprach von einem „Störgefühl“. Es handle sich zwar um Verträge, die rechtlich nicht zu beanstanden seien. Aber: „Ein Geschmäckle hat’s.“ Allerdings hat Chrupalla selbst in seinen Bürgerbüros die Ehefrau eines Landtagsabgeordneten angestellt.
Auch in Baden-Württemberg gibt es Ärger: Spitzenkandidat Markus Frohnmaier bestätigte, dass seine Frau für den AfD-Abgeordneten Johann Martel arbeitet. Das habe „ein Geschmäckle“, erklärte Südwest-Fraktionschef Anton Baron. Baron betonte später, dass sich die seine Kritik nicht auf Frohnmaier beziehe, sondern rein auf AfD-Kollegen in Sachsen-Anhalt. Ein Unterschied sei etwa die Vielzahl der Fälle in Sachsen-Anhalt, so Baron. Frohnmaier ist auch Fraktionsvize im Bundestag und enger Vertrauter von Alice Weidel. In Baden-Württemberg wird am 8. März der neue Landtag gewählt. Die nächste Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist für den 6. September angesetzt.
Intern gerät derweil der AfD-Abgeordnete Jan Wenzel Schmidt unter Druck. Er hatte bei „Nius“ von einer „Beutegemeinschaft“ gesprochen. Es würden Mandate hin- und hergeschoben und Anstellungen untereinander ausgemacht. Er kritisierte sowohl den Umfang der Anstellungen als auch die Höhe von Gehältern.
Wie die dpa aus Parteikreisen erfuhr, gibt es in den Führungsgremien der AfD Überlegungen, Schmidt aus der Bundestagsfraktion auszuschließen. Ob die Fraktion dem Vorschlag folgen wird, ist offen.