Robert Habecks Rückkehr auf die Bühnenkante

von Redaktion

Wahlparty 2018: Habeck (h.) feiert in der Muffathalle.

München – Man hat Robert Habeck nie so wild feiern sehen wie in dieser Halle. 14. Oktober 2018, der Abend der Landtagswahl, die Grünen werden mit 17,5 Prozent zweitstärkste Kraft im tiefschwarzen Bayern. Und Habeck, der Bundesvorsitzende, benimmt sich wie ein Rockstar. Er nimmt Anlauf auf der Bühne, ein Hechtsprung mitten ins jubelnde Publikum. Sie fangen ihn nicht nur auf, sie tragen ihn dann auf Händen zurück zum Bühnenrand. Was für ein wilder Abend!

Jetzt ist er wieder da in der Muffathalle am Isarufer. Die Stimmung ist gut, aber weit weniger ekstatisch als bei jener Wahlparty. Kein Wunder: Habeck hat die Grünen zwischenzeitlich in eine Bundesregierung geführt, die Ampel-Koalition zerbrach aber vor gut einem Jahr. In Bayern ist die Partei inzwischen nur noch viertstärkste Kraft, hinter AfD und Freien Wählern. Und Habeck selbst zog sich im Herbst 2025 komplett aus dem Bundestag zurück. Ist das nun genau die richtige Bühne für ein Comeback?

Habeck denkt selbst an den Sprung zurück, als er am frühen Freitagabend auf diese Bühne tritt – und an die Folgen. „Danach gab‘s richtig Mecker“, erzählt er fröhlich, Berater hätten ihm gesagt, das Stage-Diven passe doch nicht zu einem seriösen Politiker. Aber er bereut es nicht: „Das war ‘ne Bauch-Entscheidung.“ In München hat Habeck diesmal nicht zu feiern, sondern zu kämpfen: Er tritt im Kommunalwahlkampf auf für Münchens Grüne und ihren jungen OB-Kandidaten Dominik Krause.

Säle füllen kann Habeck noch immer. Für den knappen, 75-minütigen Talk Krause-Habeck meldeten sich so viele Gäste an, dass die Partei in die Konzerthalle umzog. Nach Habeck, der jetzt im Hauptjob Universitätsdozent in Kalifornien und Dänemark ist, gibt es offenbar Sehnsucht.

Er selbst tritt eher defensiv auf. Der erst 56-Jährige hat sich ja auch Zurückhaltung verordnet. Das beherzigte er nicht immer. Sein Spott neulich über Markus Söders „fetischhaftes Wurstgefresse“ schaffte es zum geflügelten Wort in der deutschen Politik. Jetzt in München äußert er sich moderater. Weniges gibt es, bei dem er emotionaler wird. Energie natürlich, der Ex-Wirtschaftsminister eben. Habeck spottet über den Tausch, von russischer Fossilenergie weggekommen zu sein, aber jetzt Flüssiggas „von Trump und JD Vance“ zu ordern: „Welch ein Gewinn an Sicherheit“.

Der Saal begleitet den Auftritt mehr als freundlich, phasenweise wirklich begeistert. Will da einer zurück? Habeck geht selbst nicht drauf ein, schließt auch nichts aus. Zum Abschied, springen alle auf in der Halle. Sie könnten ihn jetzt auffangen, aber er springt nicht, sondern kurz und geht unter dem Jubel der Halle durch den Seiteneingang.C. DEUTSCHLÄNDER

Artikel 1 von 11