Anführer der US-Delegation: Außenminister Marco Rubio am Bayerischen Hof. © Hörhager/afp
Washington – Es gab einmal eine Zeit, da bewarben sich Donald Trump und Marco Rubio gleichzeitig um die Präsidentschaftskandidatur für die US-Republikaner. Das war 2016. Es war jene Zeit, in der der heutige Präsident den heutigen Außenminister als „little Marco“ verächtlich machte. Dieser konterte mit einem Hinweis auf Trumps kleine Hände – er spielte damit auf die Größe von Trumps Geschlechtsteil an.
Heute muss man sich die Augen reiben: Der einst von Trump als „little Marco“ abgekanzelte Rubio ist nach Trump und JD Vance der drittmächtigste Mann in der US-Regierungshierarchie. Er hält dem Präsidenten bei jeder Gelegenheit mit enormer Loyalität rhetorisch den Rücken frei. So wird es auch am Samstag bei seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz sein. Vize Vance, der mit seinem Auftritt im Vorjahr viele verstörte, bleibt diesmal in Washington.
Wer jedoch in Deutschland annimmt, dass Rubio eine mildere Version von Vance und deshalb mehr zu beeinflussen ist, dürfte sich täuschen. Rubio dürfte auch in München Trumps Politik verteidigen. Schon nach der Festnahme von Nicolás Maduro in Venezuela stand der frühere Senator aus Florida bei der Pressekonferenz direkt hinter dem Präsidenten. Als dieser gesprochen hatte, ergriff Rubio angesichts mancher kritischer Reporterfragen das Wort und schilderte mit präziser Argumentation die rechtliche Grundlage für die Nacht-und-Nebel-Aktion. Und er streichelte das Ego Trumps mit den Worten: „Er ist nicht nur ein Präsident von Aktionen, sondern auch ein Präsident des Friedens.“
Mit seiner Doppelrolle als Außenminister und Sicherheitsberater ist Rubio zweifelsohne einer der einflussreichsten US-Diplomaten seit der Ära von Henry Kissinger. Mit seiner ruhigen und rhetorisch beeindruckenden Art spielt er gleichzeitig den Krisenausputzer für Trump. Der 54-Jährige, der alle früheren Animositäten mit Trump zurückgestellt hat, versucht sich mit ordnender Hand an Brandherden wie Nahost, wo Trumps Regierungsstil oft erratisch wirkt. Von Trumps Plan, Gaza zu beschlagnahmen und zu einer „Riviera“ mit Luxushotels aufzubauen, ist nichts geblieben. Dem Sohn kubanischer Einwanderer hilft dabei, dass sein Büro im Weißen Haus nur wenige Schritte vom „Oval Office“ entfernt ist. Doch am Ende gilt auch für Rubio die Frage aller Fragen: Bis zu welchem Grad ist der unberechenbare Trump beeinflussbar?
Rubio hilft bei diesem Drahtseilakt, dass er – der einst sogar an eine Karriere als Profi-Footballspieler in der NFL dachte – sehr diszipliniert ist und anders als Trump nicht zum Schwadronieren neigt. In seinem Buch „An American Son“ („Ein Sohn Amerikas“) stellt er sich als Immigrantenkind dar, das seinen Aufstieg harter Arbeit und Familien-Werten zu verdanken habe. Damit zielte Rubio auf den Kern der republikanischen Wähler ab.
In den USA wird Rubio mittlerweile aufgrund seines souveränen Auftretens als Chef-Diplomat als einer der chancenreichen Präsidentschaftskandidaten für 2028 gehandelt. Auf die Journalistenfrage, ob er 2028 antreten werde, wich Rubio aus. Zunächst stellte er JD Vance als „großartigen Kandidaten“ dar, um dann jedoch zu relativieren: Man wisse nie, was die Zukunft bringe. Und man dürfe nie etwas ausschließen. Doch seine volle Konzentration gelte zunächst seinem Amt und der Arbeit für Trump.
Jenen Mann, den er 2016 noch als „Schwindler“ bezeichnet hatte, der den „größten Betrug in der politischen Geschichte Amerikas“ begehen wolle.