Havanna – Kuba leidet zunehmend unter der Knappheit an Treibstoff – auch der Tourismus ist betroffen. Ausländische Flugzeuge können auf der Insel derzeit nur eingeschränkt betankt werden. Mehrere Fluggesellschaften setzten Verbindungen aus, passten Flugpläne an oder beschränkten sich auf Rückholflüge. Einige Airlines planen zusätzliche Zwischenstopps zum Tanken ein. Das Auswärtige Amt rät derzeit von nicht notwendigen Reisen in den Inselstaat ab. Reiseveranstalter reagierten mit Erleichterungen bei Umbuchungen und Stornierungen.
Seit mehr als einem Monat erhält Kuba kein Öl mehr aus dem Ausland. Die USA hatten nach der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro Anfang Januar Venezuelas Öllieferungen an Kuba einstellen lassen. Donald Trump unterzeichnete zudem ein Dekret, das vorsieht, Länder mit US-Zöllen zu belegen, die Öl an Kuba verkaufen. Die Behörden in Havana griffen zu Sparmaßnahmen: Busse und Züge verkehren seltener, in der öffentlichen Verwaltung gilt eine Vier-Tage-Woche, der Schul- und Universitätsbetrieb wurde eingeschränkt.
Die Vereinten Nationen äußerten sich „äußerst besorgt“ über die Entwicklung. Das UN-Menschenrechtsbüro in Genf sieht in der Kombination aus jahrzehntelangem Finanz- und Handelsembargo sowie Beschränkungen bei Öllieferungen eine Krise, die zu sozialen Unruhen führen könne. Der Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, forderte ein Ende der Sanktionen. „Politische Ziele können keine Maßnahmen rechtfertigen, die an sich schon gegen die Menschenrechte verstoßen“, erklärte eine Sprecherin seines Büros.
Nach UN-Angaben geraten zentrale Bereiche der Daseinsvorsorge unter Druck. Krankenhäuser sind auf importierte fossile Brennstoffe angewiesen, wodurch Intensivstationen, Notaufnahmen sowie die Herstellung und Lagerung von Impfstoffen, Blutprodukten und anderen temperaturempfindlichen Medikamenten beeinträchtigt werden. Stromausfälle erschweren den Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene.
Die Auswirkungen betreffen alle Lebensbereiche: Die katholischen Bischöfe Kubas mussten einen geplanten Besuch im Vatikan mangels Flugmöglichkeiten absagen. Am Sonntag wurde das berühmte Zigarrenfestival gecancelt, das jedes Jahr Zigarrenliebhaber, Händler und Fachjournalisten aus aller Welt anzieht.
Unterdessen treffen Hilfslieferungen ein. In Havanna kamen zwei mexikanische Marineschiffe mit mehr als 800 Tonnen Lebensmitteln und Hygieneartikeln an. Mexiko kündigte weitere Unterstützung an und erklärte sich bereit, zwischen Washington und Havanna zu vermitteln. Zudem plant eine Koalition von Hilfsorganisationen eine Seemission, auch mit Lebensmitteln.MIRLIND GASHI