Unterstützer: Der republikanische US-Senator Lindsey Graham auf der Bühne. © afp
1979 geflohen: Massud Harun-Mahdavi (re.) verließ seine Heimat. © Markus Götzfried
In eine Flagge gehüllt: Aileen Kazemi nimmt an der Demo teil. © Götzfried
Ehemalige Prinzessin: Farahnaz Pahlavi, Tochter des letzten iranischen Schah, steht zwischen Demonstranten auf der Münchner Theresienwiese. © Felix Hörhager/dpa
München – Grün-weiß-rote Fahnen, so weit das Auge reicht: Am Samstag demonstrierten rund 250 000 Menschen auf der Münchner Theresienwiese – es war die größte Kundgebung für die Freiheit im Iran, die es je in Deutschland gegeben hat. 100 000 waren ursprünglich angemeldet.
Gleich mehrere Länder hatten sich an der Aktion beteiligt. Zehntausende gingen auch im kanadischen Toronto, in London, Vancouver und Sydney auf die Straßen. Doch den größten Protest gegen die Mullah-Regierung gab es in München – zu dem auch viele Exil-Iraner aus ganz Europa kamen.
Der Hintergrund: Anfang Januar hatte Irans Sicherheitsapparat Massenproteste im Land gewaltsam niedergeschlagen. Nach Schätzungen von Aktivisten kamen dabei rund 7000 Menschen ums Leben. Zwar sind die Demonstrationen im Iran angesichts der Repressionen inzwischen weitgehend verstummt, doch am Samstag waren in Teheran erneut Protestrufe aus Wohnhäusern zu hören. „Tod dem Diktator“ hallte es über die Dächer.
Zu dem Aktionstag aufgerufen hatte Reza Pahlavi, der seit Jahrzehnten im Exil lebende Sohn des 1979 gestürzten Schahs von Persien. Der 65-Jährige ist die bekannteste Stimme der Protestbewegung im Iran. Bei seinem Auftritt auf der Theresienwiese wurde er mit Jubel empfangen – viele Plakate trugen sein Konterfei. „Wir kämpfen für Freiheit, für Gerechtigkeit und für Gleichheit“, sagte Pahlavi. Und bekräftigte, den Iran in eine demokratische Zukunft mit freien Wahlen führen zu wollen.
„Der Wunsch der Bevölkerung muss an erster Stelle stehen“, sagte etwa Massoud Harun-Mahdavi, der 1979 nach Deutschland floh – im Iran war er in einer Großstadt Oberbürgermeister. Unter den Rednern war am Samstag auch Publizist Michel Friedman, der der iranischen Regierung vorwarf, „den Islam, den Koran zu missbrauchen“. Seit 47 Jahren würden im Iran im Namen Gottes Millionen Menschen unterdrückt. „Ein Regime, das für Terrorismus steht, gehört abgesetzt“, rief er. „Der Iran mit diesem Regime darf niemals Atomwaffen haben.“
Pahlavi war wegen der Sicherheitskonferenz nach München gereist. Der Aktionstag sei „eine klare Botschaft an die Führer der westlichen Demokratien, sich mit dem iranischen Volk zu solidarisieren“. Er sprach von einer „Stunde tiefer Gefahr“. Es gehe um die globale Sicherheit in unserer Zeit. Pahlavi sagte vor internationalen Journalisten, darunter unsere Zeitung, er sei die Person des Vertrauens der Iranerinnen und Iraner: „Die Leute rufen meinen Namen.“ Und er forderte ein militärisches Eingreifen der USA. Tatsächlich hielten Menschen Porträts Pahlavis in die Höhe, teils in Verbindung mit Bildern Donald Trumps – oder auch Fotos vom Regime getöteter oder verschwundener Angehöriger und Freunde.
„Das ist eine Generationenrevolte, die Arbeiter, Studenten, Frauen und sogar Staatsmitarbeiter umfasst“, sagte Pahlavi in München. „Der Wandel ist auf dem Weg.“ Die Frage sei, wie viele Menschen noch sterben müssten, während „Demokratien am Rande stehen und zusehen“.
Auf dem Podium der Sicherheitskonferenz gab es allerdings auch kritische Nachfragen. Vor 47 Jahren sei Pahlavis Familie gestürzt worden, „dafür gab es einen Grund“, sagte Moderatorin Christiane Amanpour. Pahlavi verwies in seiner Antwort darauf, dass die Menschen nun den Namen seiner Familie riefen. „Reden wir über die Zukunft oder reden wir über die Vergangenheit?“ entgegnete er auf eine kritische Journalistenfrage zur Historie der Schah-Familie.
Der Zeitpunkt für die Groß-Demo ist bewusst gewählt worden, da zur Sicherheitskonferenz politische und sicherheitspolitische Entscheidungsträger aus aller Welt anreisten, teilte der Veranstalter, der Verein The Munich Circle, mit. Für das Wochenende waren laut Kreisverwaltungsreferat insgesamt 18 weitere Versammlungen in Zusammenhang mit der Siko angemeldet worden. Die größte am Stachus, mit in der Spitze 2000 Demonstranten. MIT DPA