Umweltminister will Klarheit beim Heizen

von Redaktion

Berlin – Carsten Schneider (SPD) ist so etwas wie der Quereinsteiger im Kabinett von Friedrich Merz. Der 50-jährige gelernte Bankkaufmann, geboren in Erfurt, ist zwar schon seit 1998 im Bundestag, hatte bislang aber wenig mit Umweltschutz zu tun. Jetzt ist er als Minister dafür zuständig. Wir haben mit ihm gesprochen.

Die Bundesregierung will bis 2030 die CO2-Emissionen um 65 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Ist das überhaupt noch realistisch?

Wir sind beim Klimaschutz in Deutschland schon weit gekommen. Und ich gehe fest davon aus, dass uns auch dieser wichtige Zwischenschritt gelingt.

Es bleiben aber die Sorgenkinder Bau und Verkehr. In beiden Sparten werden Emissionsvorgaben regelmäßig nicht eingehalten.

Ja, aber anders als früher gibt es heute sehr gute technische Lösungen. Zum Beispiel Elektroautos. Damit die Menschen sie kaufen, müssen die Produkte sehr gut sein, der Preis muss stimmen und die Lade-Infrastruktur. Und hier werden wir immer besser: Es gibt schon mehr als 188000 öffentlich zugängliche Ladepunkte, davon 46500 Schnellladepunkte, Tendenz stark steigend.

Beim Gebäudebestand gibt es noch einen erheblichen Sanierungsstau. Wie wollen Sie Hausbesitzer motivieren?

Die Menschen investieren, wenn es gute und verlässliche Rahmenbedingungen gibt. Bei zu viel Unsicherheit halten sie das Geld zusammen. An dem Punkt sind wir aktuell, in der Gesamtwirtschaft, aber auch beim Thema Heizungen und Gebäudesanierung. Es gibt in Deutschland so viele starke mittelständische Unternehmen, die Heiz- und Wärmetechnik auf Spitzenniveau herstellen, und so viele Handwerker, die sich auf moderne Heizungen eingestellt haben. Die darf die Politik nicht im Regen stehen lassen. Darum brauchen wir schnell Klarheit bei den Regeln und auch künftig eine Förderung, gerade für kleine und mittlere Einkommen.

Was heißt das für Immobilienbesitzer?

Wärmepumpen rentieren sich langfristig ohnehin für die meisten. Es gibt zudem Zuschüsse für neue Heizungen und Sanierungen, dazu kommen erhöhte Abschreibungsmöglichkeiten. Das zahlt sich aus. Im letzten Jahr sind erstmals mehr Wärmepumpen installiert worden als Gasheizungen. Rund 300000. Das Signal ist: Zuversicht.

Man hat manchmal den Eindruck, dass aus dem Unionsumfeld immer wieder Querschüsse kommen. Etwa von Markus Söder, der am E-Auto zweifelt.

Ich hätte manche dieser Diskussionen auch nicht gebraucht. Aber wir leben in einer föderalen Demokratie, ich kann niemandem das Wort verbieten. Meine Botschaft ist klar: E-Autos sind besser für die Umwelt, die kann man gut fahren und die machen Spaß. Autohändler berichten mir, dass kaum jemand, der einmal elektrisch gefahren ist, danach wieder zurück zum Verbrenner will. Das ist ein weltweiter Megatrend. Keine chinesische Stadt würde heute noch einen Dieselbus anschaffen.

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