Tunis – Fast drei Jahre nach einem tödlichen Angriff auf die Ghriba-Synagoge auf Djerba hat die tunesische Justiz gegen mehrere Angeklagte teils hohe Haftstrafen verhängt. Zwei bereits inhaftierte Angeklagte wurden jeweils zu drei und acht Jahren Haft verurteilt, wie der Anwalt Nisar Ajed am Montag der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. Drei weitere Angeklagte wurden zu Haftstrafen von einem, sieben und 15 Jahren verurteilt.
Der Anschlag hatte sich am 9. Mai 2023 auf der Ferieninsel Djerba zum Abschluss eines jüdischen Pilgerfests ereignet, als sich hunderte Menschen in der Synagoge aufhielten. Der Angreifer, ein Polizist, tötete damals insgesamt fünf Menschen, darunter zwei Gläubige im Alter von 30 und 42 Jahren.
Den Behörden zufolge tötete der Polizist im Hafen von Djerba zunächst einen Kollegen, bevor er zur etwa 20 Kilometer entfernten Ghriba-Synagoge fuhr. Dort tötete er neben den beiden Gläubigen zwei Sicherheitskräfte, die den Ort bewachten, bevor er selbst erschossen wurde.
Dem Anwalt Ajed zufolge handelte der Angreifer als „einsamer Wolf“. Die tunesischen Behörden hatten den Angriff als „kriminell“ verurteilt, ihn aber aber nicht als „terroristisch“ oder „antisemitisch“ bezeichnet.
Ein Student und die Verlobte des erschossenen Angreifers waren wegen Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Die Rolle der anderen Angeklagten wurde nicht mitgeteilt.