Der Frauenanteil im Bundestag ist nicht nur zu niedrig, er schrumpft auch noch. Familienministerin Karin Prien (CDU) hat das Problem richtig beschrieben. Aber sie stößt die Debatte über eine falsche Lösung an: Bitte Finger weg von einer Zwangsquotierung der Direktkandidaten und der Listen! Das gilt links der Mitte, also bei Prien, SPD und Grünen, als Heilmittel – es wäre aber nur eine plumpe Einschränkung der Demokratie.
Ein Weg aus der Vertrauenskrise der Politik ist, die Menschen mehr entscheiden zu lassen. Das verkrustete, gestrige Wahlrecht für Bundestag und Europa muss demokratischer werden. Statt die Wähler starre, parteiintern ausgehandelte Listen abnicken zu lassen, muss es endlich möglich werden, einzelne Kandidaten (und Kandidatinnen!) von den Listen anzukreuzen und nach vorne zu wählen. So wie es in Bayern für die Landtagswahl gut und für die Kommunalwahl sehr gut geht.
Quoten können innerhalb von Parteigremien mehr Repräsentanz erzwingen; ein vertretbarer Notbehelf. Unterstützungsprogramme, Bewusstsein, Vorbilder und ein familiengerechtes Umfeld helfen, junge Frauen in die Politik zu holen. All das bereichert unsere Demokratie; am Ende das Wahlrecht einzuschränken, wäre ein Irrweg.