Pristina – Europas Jüngster wird diese Woche 18 – und hat einen sehnlichen Wunsch an die EU: Mitglied werden. „Die Mitgliedschaft in der Europäischen Union ist und bleibt unser strategisches und nationales Ziel. Einen Plan B gibt es für uns nicht“, sagt Kosovos Botschafter in Deutschland, Faruk Ajeti, im Gespräch mit unserer Zeitung. 2022 hat das Land den Beitritt beantragt und verweist auf einen langfristigen Reformkurs. „Die euro-atlantische Perspektive entspricht dem klaren Willen sowie den Zielen und Hoffnungen unserer Bürger“, betont Ajeti. Pro Europa und pro Westen – das ist eine andere Orientierung als zum Beispiel in Serbien.
Aus einer von Krieg und Instabilität geprägten Region auf dem Westbalkan entstand 2008 ein eigenständiger Staat, der seither um internationale Anerkennung, Stabilität und eine feste Verankerung in Europa ringt. Die Wurzeln der heutigen Eigenstaatlichkeit reichen in den Kosovo-Krieg von 1998 und 1999 zurück, der im Zuge des Zerfalls Jugoslawiens und der zunehmenden Spannungen zwischen serbischen Kräften und der mehrheitlich albanischen Bevölkerung im Kosovo eskalierte und eine schwere humanitäre Krise auslöste. Die Nato griff militärisch ein, auch unter Beteiligung Deutschlands, für das es der erste Kampfeinsatz seit dem Zweiten Weltkrieg war. Der Einsatz beendete die Kampfhandlungen und markierte einen Wendepunkt für die Region. In den folgenden Jahren stand das Gebiet unter Verwaltung der Vereinten Nationen, die den institutionellen Aufbau begleiteten. Am 17. Februar 2008 rief das Parlament in der Hauptstadt Pristina die Unabhängigkeit aus und leitete damit den politischen Neubeginn ein.
In den folgenden Jahren festigten sich die staatlichen Strukturen schrittweise. Institutionen gewannen an Stabilität, demokratische Verfahren wurden aufgebaut und die internationalen Beziehungen ausgebaut. Nach Angaben Ajetis erkennen weltweit 120 UN-Mitgliedstaaten den Kosovo diplomatisch an, innerhalb der EU sind es 22 der 27 Mitglieder (darunter Deutschland). International ist das Land zudem Mitglied mehrerer Organisationen wie IWF, Weltbank, auch die Sportverbände FIFA und UEFA. Eine Vollmitgliedschaft in den Vereinten Nationen, EU oder Nato steht aus.
Ajeti zieht dennoch eine positive Zwischenbilanz. „Die Republik Kosovo ist seit 18 Jahren ein unabhängiger und souveräner Staat und hat sich inzwischen zu einem demokratischen Vorbild in der Region entwickelt“, sagt er. Besonders verweist er auf eine aktive politische Kultur sowie auf eine rechtsstaatliche, multiethnische und säkulare Gesellschaft. Die Dynamik des Landes werde vor allem von einer jungen Bevölkerung getragen: Sie wollen Innovation, wirtschaftlichen Fortschritt und gesellschaftliches Engagement. Auch ökonomisch habe sich eine stabile Entwicklung mit einem Wachstum von über vier Prozent jährlich gezeigt. Ein Problem bleibt das Verhältnis zu Serbien, das die Eigenständigkeit bis heute nicht anerkennt. Die EU vermittelt, aber der Dialog ist zäh. Kosovo sei bereit, vereinbarte Abkommen umzusetzen und gute nachbarschaftliche Beziehungen zu pflegen, erklärt der Botschafter. Er sagt, Serbien setze zahlreiche Vereinbarungen nicht um.MIRLIND GASHI