Die verstörenden Bilder, mit denen das ZDF-„Heute Journal“ am Sonntag seinen Beitrag über Trumps unmenschliche Abschiebungen Minderjähriger unterlegte, waren zu (schaurig-)schön, um wahr zu sein: Eines davon war von Künstlicher Intelligenz generiert, ein weiteres stammte aus dem Jahr 2022 und zeigte die Festnahme eines Kindes nach einer Amokdrohung. Warum das ZDF sie trotzdem sendete, bleibt auch nach der umfangreichen Entschuldigung der Vize-Chefredakteurin Anne Gellinek zur besten Sendezeit nebulös. Aus Schlamperei, was schlimm genug wäre? Oder in manipulativer Absicht, weil die gefakten Bilder besser ins Weltbild von ZDF-Redakteuren passten als die Realität? Dass die Moderatorin Dunja Hayali bei ihrer Ankündigung des verunglückten Beitrags ausdrücklich davon gesprochen hatte, dass nicht alle auf den verschiedenen Kanälen kursierenden Bilder echt seien, lässt Schlimmes befürchten.
Es ist gut, dass Gellinek sich ohne Wenn und Aber entschuldigte. Doch der Vertrauensschaden bleibt – der nächste. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat damit eine große Chance liegen lassen. Die Informationswelt wird seit einiger Zeit geflutet mit Fake News und KI-Fälschungen, vor allem das Internet strotzt davon. In einer Zeit, in der viele Nachrichten-Konsumenten nicht mehr zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden können, kommt den großen Sendern mit ihren milliardenschweren Etats eine noch größere Verantwortung zu. Wer, wenn nicht sie, haben die Erfahrung und die finanziellen Möglichkeiten, um Informationen, zu denen auch Bilder und Videos gehören, auf ihre Echtheit hin zu prüfen?
Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk, der für seine Zuschauer die Welt ordnet, hat gerade in Zeiten wachsender Medienverdrossenheit seine Existenzberechtigung. Dafür aber muss er Lügen, die unsere Demokratie zersetzen, entlarven und darf nicht neue Unwahrheiten hinzuerfinden. Auch seriöser Journalismus darf sich KI-generierter Darstellungen bedienen – aber nur, sofern er sie entsprechend kennzeichnet. Gut wäre es, wenn die Senderleitung des ZDF nicht bei Gellineks begrüßenswerter Entschuldigung stehen bliebe. Sondern den Fall aufklärt – und wenn nötig die Verantwortlichen zur Rechenschaft zieht.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET