Donald Trump hat es geschickt verstanden, das von allen Seiten erwünschte Engagement für die Befriedung des Gazastreifens mit einem Gremium zu verquicken, das weit über die Nahost-Aufgabe hinaus wirken soll. Deshalb bleibt der EU nichts anderes übrig, als gegenüber dem neuen Friedensrat des US-Präsidenten zu lavieren: Ganz fernbleiben kann man der Gründungsveranstaltung angesichts der Bedeutung der Gaza-Frage nicht – aber um zu vermeiden, dieser Trump-Verhöhnung der UN auch noch den europäischen Stempel aufzudrücken, schickt die EU-Kommission ebenso wie Italien nur „Beobachter“ nach Washington. Und die Europäer vermeiden klare Kritik an der Trump-Show, wie sie etwa Brasiliens Präsident Lula formuliert. Dabei ist nur zu offensichtlich, dass Trump mit seinem von ihm persönlich auf Lebenszeit angeführten Friedensrat die Dominanz der USA institutionalisieren will.
Aus seiner Sicht sollen einige wenige Großmächte die Regeln der Weltordnung bestimmen. Richtig ist: Dank der Macht des UN-Sicherheitsrats ist das faktisch auch in den Vereinten Nationen so. Doch wenn sich hier etwas verbessern soll, dann sicher nicht in Richtung einer allein von den USA bestimmten neuen Organisation. Vielmehr muss der Multilateralismus stärker im UN-Sicherheitsrat zum Ausdruck kommen: Mehr Mitsprache für die Kleinen, statt noch mehr Übermacht von China, Russland und den USA!KLAUS.RIMPEL@OVB.NET