KOMMENTARE

Merz erschreckt seine vielen Nörgler

von Redaktion

„Noch längere Zeit Kanzler“

Merz-Nörgler, und davon gibt es in Deutschland und auch in der CDU nicht zu knapp, müssen jetzt stark sein: Er wolle noch für eine „längere Zeit“ Kanzler bleiben, ließ der 70-Jährige unter Hinweis auf seinen rüstigen 102-jährigen Vater wissen. 2033, am Ende der nächsten Wahlperiode, wäre er 77. Zwar haben bei der Zukunftsplanung des Regierungschefs die Wähler ein Wörtchen mitzureden. Aber Junge Union, Merkelflügel und ehrgeizige Ministerpräsidenten wissen vor dem Parteitag jetzt schon mal Bescheid.

Was musste sich Merz nicht alles anhören in den fast zehn Monaten, die er jetzt das Land führt: Zu alt sei er, zu hölzern, zu machohaft, zu retro, zu impulsiv, zu wenig wie Merkel, zu sehr wie Merkel, vor allem: zu wenig Wirtschaftsreformer. Bestätigt sehen sich besonders die 72 Prozent Nicht-Merz-Wähler (und die vielen Meinungsmacher in links-liberalen Medien) in ihrem kritischen Urteil. Doch zumindest das Fünftel der Wähler, das ihm die Stimme verweigerte und trotz klarer Unions-Wahlaussage lieber die AfD ankreuzte, kann sich schlecht beschweren, dass es jetzt beim Umbau des Sozialstaats und der Ankurbelung der Wirtschaft nur in kleinen Schritten vorangeht. Mit 28 % der Stimmen lassen sich in der Demokratie nicht 100 % des Wahlprogramms umsetzen. Immerhin macht der Chef des renommierten Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, den Bundesbürgern Mut. Er glaubt gerade eine Trendwende für die Wirtschaft zu erkennen, das Investitionsprogramm der Regierung beginne zu greifen: „Es dreht sich was, es geht jetzt wieder aufwärts.“

Für das Ausland ist Merz ohnehin schon der starke Kanzler geworden, nach dem sich Europa gesehnt hat. Trump schätzt, Putin fürchtet ihn, weil er klug die Verteidigung der Ukraine organisiert und Deutschlands Sicherheit und Wiederbewaffnung wie einst sein Vorbild Adenauer nach oben auf die Agenda gesetzt hat. Wenn Deutschlands Mitte – und die CDU – ehrlich zu sich sind, führt kaum ein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass sie im Moment keinen Besseren haben als den gewiss nicht fehlerfreien „Bestager“ Friedrich Merz. Die CDU wäre Deutschlands dümmste Partei, würde sie ihren Chef vor wichtigen Landtagswahlen heute nicht mit einem guten Wiederwahlergebnis stärken. GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET

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