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Soziale Medien für Teenager verbieten?

von Redaktion

Über wenige Dinge gibt es so viel Einigkeit wie darüber, dass Soziale Medien mit ihren zum fortlaufenden Scrollen verführenden Algorithmen Kinder und Teenager schädigen können. Im Dezember 2025 ist nun Australien vorangegangen mit einem Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren, sich auf Plattformen wie Instagram, Snapchat, TikTok anzumelden. Und auch Bundeskanzler Merz hat sich offen gezeigt für ein Social-Media-Verbot für Jugendliche, obwohl er generell skeptisch sei, was Verbote angeht.

Bevor nun auch hier in Deutschland ein Verbot nach dem australischen Muster beschlossen wird, sollten unsere Politiker die Folgen des australischen Experimentes gründlich studieren.

Es ist nämlich sehr schwierig, solche Verbote zu kontrollieren und einzuhalten. Teenager in Australien finden schon jetzt begabte Wege, die Einschränkungen zu umgehen, zum Beispiel, indem sie ihre Gesichter so verändern, dass sie älter aussehen. Nachrichtendienste wie WhatsApp und Spielkonsolen, die süchtig machen können, sind ohnehin vom Verbot ausgeschlossen. Die Gefahr besteht außerdem, dass Jugendliche, die von den bekannten großen Sozialen Netzwerken verbannt sind, sich anderen obskuren Netzwerken zuwenden, die ständig neu entstehen und weniger überwacht noch gefährlicher sein können. Ein anderer Ansatz als das platte Altersverbot könnte das sein, was sich gerade in den USA zu einer Prozesslawine entwickelt.

Dort laufen Klagen gegen die großen Social-Media-Unternehmen von Betroffenen, die sich geschädigt sehen, weil sie minderjährig durch bestimmte Techniken und Algorithmen zu einem endlosen Scrolling verführt wurden. Ebenso durch Videos, die fortlaufend abgespielt werden, nur weil der Nutzer ein ähnliches Video bereits konsumiert hat. Das jetzt in Australien erfolgte und anderswo angekündigte generelle Alterslimit darf allerdings nicht dazu führen, dass wir uns bezüglich der Technik dieser Plattformen unbesorgt in falscher Sicherheit wiegen, weil sie ja unter 16 verboten sind. Aus dieser Sorge heraus haben auch Kinderschutzgruppen sich schon gegen ein generelles Verbot geäußert.

Am 6. Februar hat sich auch die EU-Kommission in diesem Sinne gegen suchtverstärkende Mechanismen auf Sozialen Netz-Plattformen ausgesprochen. Plattformen wie TikTok wurden aufgefordert, ihr Design zu ändern, weil es besonders junge Nutzer zu stark bindet. Natürlich ist solche Bindung gerade das, was die Plattformen für ihr Geschäftsmodell erreichen wollen. Es ist notwendig, massiv Druck auf die Konzerne auszuüben. Denn ständig neue Entwicklungen im Netz durch Künstliche Intelligenz erzeugen immer mehr Sogwirkung. Sogenannte „Deepfakes“ machen es schwerer, Wahrheit von Inszenierung zu unterscheiden.

Daher wäre es angebracht, die hinter den Sozialen Plattformen stehenden großen Hightech-Unternehmen zu regulieren, so wie es heute für Firmen schon üblich ist, die Finanzdienstleistungen anbieten. Diese sind verpflichtet, über die Natur ihrer schon bestehenden Angebote die Aufsichtsbehörden genauestens zu informieren und sie zu benachrichtigen, bevor sie neue Produkte entwickeln. Fest steht, dass jugendliche Nutzer vor allem unter, aber auch über 16 Jahren besser vor missbräuchlichen Techniken auf den Sozialen Netzen geschützt werden müssen.

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