Das kleine Konklave

von Redaktion

Zuletzt war die Deutsche Bischofskonferenz im Herbst 2025 zusammengekommen. © Oppitz/kna

Würzburg – Es ist so etwas wie ein kleines Konklave, was sich morgen Vormittag in Würzburg ereignen wird. 25 katholische Ortsbischöfe – die Bistümer Eichstätt und Münster sind derzeit vakant – und 31 Weihbischöfe wählen zu Beginn der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz einen neuen Vorsitzenden. Kleines Konklave deshalb, weil es ebenso wie bei der Papstwahl keine Kandidaten und keinen Wahlkampf gibt. Nach einer kurzen Ansprache über die Lage der Kirche in Deutschland schreiben die Wahlberechtigten den Namen ihres Favoriten auf einen Zettel. In den ersten beiden Wahlgängen ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich, danach reicht die einfache Mehrheit.

Weißen Rauch gibt es freilich nicht, wenn die Entscheidung gefallen ist, wer die Nachfolge des Limburger Bischofs Georg Bätzing antreten wird, der sechs Jahre lang als „Primus inter Pares“ (Erster unter Gleichen) die katholische Kirche gegenüber Politik und Gesellschaft repräsentiert hat. Die Wahl wird mit Spannung erwartet. Auch Rom schaue ganz genau auf diese Vollversammlung, heißt es im Vorfeld der Tagung aus Kirchenkreisen. Denn in Würzburg wird eine Richtungsentscheidung getroffen, nachdem in den vergangenen sechs Jahren die Debatte über den „Synodalen Weg“ zu heftigem Streit zwischen der großen Mehrheit reformwilliger Bischöfe und einer lautstarken Minderheit von Kritikern zu einer Spaltung der Bischofskonferenz geführt hat. Die Bischöfe aus Köln, Regensburg, Passau und Eichstätt hatten sich deutlich vom „Synodalen Weg“ distanziert.

Georg Bätzing, der ein starker Verfechter von Reformen ist, konnte diese Spaltung nicht überwinden. Eine gewisse Resignation wurde spürbar, als er in einem Interview in der „Zeit“ jüngst sagte, zwei weitere Jahre hätte er gerne noch drangehängt, „um ein paar Dinge festzuzurren. Aber mal ehrlich, nach einer weiteren Amtszeit wäre ich 70 oder 71. Das muss nicht sein!“

Gesucht wird ein Vorsitzender, der die Bischofskonferenz wieder auf stärkere Einheit einschwört, ohne die notwendigen Veränderungen in Struktur und Pastoral aufzugeben. Als möglicher Nachfolger von Bätzing wird der Paderborner Erzbischof Udo Bentz (58) genannt. Er gilt als Unterstützer des „Synodalen Wegs“. Aber er ist als Ortsbischof erst zwei Jahre im Amt. Über gute Kontakte nach Rom verfügen die Bischöfe Heiner Wilmer (64) aus Hildesheim, Franz Jung (59) aus Würzburg und Michael Gerber (56) aus Fulda. Gerber ist derzeit stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz. Da er aber gerade erst eine Krebserkrankung überwunden hat, ist seine Wahl unwahrscheinlich. Eine Vermittlerrolle könnte auch dem Mainzer Bischof Peter Kohlgraf zugetraut werden. CLAUDIA MÖLLERS

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