Die katholische Kirche braucht einen Aufbruch

von Redaktion

Bischofskonferenz wählt

Früher waren die Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz wenigstens zwei Amtsperioden an der Spitze des deutschen Episkopats. Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann wurde sogar insgesamt dreimal gewählt. Seit seinem Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen im Jahr 2008 haben seine Nachfolger Robert Zollitsch, Reinhard Marx und Georg Bätzing nur jeweils eine Amtsperiode durchgehalten.

Vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz wird viel Leidensfähigkeit verlangt. Das musste Kardinal Lehmann schon erdulden, als er im Kampf um die Schwangerenkonfliktberatung mit dem Vatikan viele Demütigungen erlebte. Eine Erfahrung, die man vielleicht als spirituelle Buß-Übung betrachten kann.

Seine Nachfolger aber mussten immer mehr Machtkämpfe innerhalb der Bischofskonferenz durchstehen. Und das in Zeiten, in denen das Image der Kirche ohnehin stark gelitten hat.

Viele Menschen suchen dringend Persönlichkeiten, an denen sie sich orientieren können. Die christlichen Kirchen sind mit ihrer Botschaft dazu bestens geeignet. Dafür wäre es aber unbedingt nötig, dass man sich bei aller Verschiedenheit, die ja wünschenswert ist, in guter Gemeinsamkeit präsentiert. Machtgerangel und Streit darüber, wer die Deutungshoheit besitzt und den wahren Glauben vertritt, sind der Institution nicht würdig.

Es gibt so viele Herausforderungen an die Christen: politisch, kirchlich und gesellschaftlich. Hier muss die Kirche ein Zeichen setzen, dass sie handlungsfähig und visionär ist. Wenn es ihr nicht gelingt, mit dem Klerus und den Gläubigen ein modernes Miteinander zu entwickeln, wird es mit der Kirche abwärts gehen.

Mit der Wahl des neuen Vorsitzenden wird über die Richtung entschieden. Die Gläubigen warten auf ein Signal des Aufbruchs. CLAUDIA.MOELLERS@OVB.NET

Artikel 8 von 11