Ein frommer Reformer soll‘s nun richten

von Redaktion

Bischof Wilmer an der Kirchen-Spitze

Es ist eine Richtungsentscheidung gefallen: Die katholischen deutschen Bischöfe setzen auch in den kommenden sechs Jahren auf einen Reformweg. Allerdings dürfte er behutsamer ausfallen, spiritueller und darauf ausgerichtet sein, stärker als bisher auf die kleine Gruppe der Reform-Verweigerer zuzugehen. Dafür haben die Bischöfe eine gut katholische Lösung gefunden: einen frommen Reformer.

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer hat nun eine Schwerstaufgabe zu stemmen. Einerseits wird von ihm erwartet, dass er Modernisierungswünsche eines Großteils der Gläubigen voranbringt. Andererseits soll er auf die konservativen Reformkritiker zugehen und den „Familienkrach“ in der Bischofskonferenz befrieden. Das kommt einer Quadratur des Kreises gleich. Dass der Ordensmann aus dem hohen Norden angesichts der schweren Aufgabe gestern etwas blass im Gesicht war, dürfte verständlich sein.

Unter seinem Vorgänger Georg Bätzing waren die Fronten so verhärtet, dass sich die Bischöfe gegenseitig blockierten. Zumal die Gruppe um den Kölner Kardinal Woelki und die bayerischen Bischöfe Oster und Voderholzer immer wieder den Vatikan zur Unterstützung herangezogen hatte. Und Papst Leo XIV. sich ausdrücklich die Einheit der Kirche auf die Fahnen geschrieben hat.

Heiner Wilmer allein kann Glaubwürdigkeit und Einheit der katholischen Kirche in Deutschland nicht retten. Der neue Vorsitzende ist aber, so sagt man, das Gesicht der deutschen Kirche. Es sei ihm und der Institution zu wünschen, dass dieses neue Gesicht einen zuversichtlichen Ausdruck bewahrt und sich der Ärger des Amtes nicht zu tief eingräbt.CLAUDIA.MOELLERS@OVB.NET

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