Schwierige Aufgabe: Bischof Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. © Daniel Löb/dpa
Würzburg – Um 11.35 Uhr öffnet sich die Tür zum Konferenzraum im katholischen Tagungszentrum Burkardushaus in Würzburg. Ein groß gewachsener schlanker Mann mit grauen Haaren und schwarzer Brille betritt noch etwas scheu ein neues Terrain: Heiner Wilmer, Bischof der Diaspora-Diözese Hildesheim, ist der neue Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Es ist vor allem ein ungewohnter Ton, der erklingt, als der 64-jährige, jugendlich wirkende Ordensmann das Wort ergreift. Wilmer stellt vor allem die Verkündigung des Evangeliums in den Mittelpunkt. Zugleich wird man sich erst an die norddeutsche Tonfärbung seiner Sprache gewöhnen müssen. „Mit dem Evangelium in der Hand und die Menschen im Blick“ – so umschreibt der Mann aus dem Emsland seinen Auftrag.
Wilmer gilt als Kompromisskandidat zwischen den Reformern und der Minderheit der Modernisierungs-Kritiker. Ihm trauen die Bischöfe offenbar am ehesten zu, zwischen den verhärteten Fronten zu vermitteln. Im ersten Auftritt wird deutlich: An der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz steht nun ein durch und durch spiritueller Mann.
„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden den Menschen seiner Gnade“: Mit diesen Worten beginnt Wilmer seine Erklärung. Und das ist zugleich ein echtes Statement, denn der Lobgesang des Engels aus dem Lukas-Evangelium ist sein theologisches Programm. „Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, Gott ins Zentrum zu stellen“, sagt der fromme Bauernsohn, der mit 19 Jahren in den Orden der Herz-Jesu-Priester eingetreten ist. Alle weiteren Aussagen über Kirchenpolitik, Reformdebatten, über Krieg und Frieden stehen unter dieser Überschrift.
Noch wirkt Wilmer etwas unsicher vor den vielen Kameras, seine Rede liest er in weiten Teilen von seinem Handy ab. Doch er formuliert auch Klartext etwa in Bezug auf den Krieg in der Ukraine. Am vierten Jahrestag des russischen Angriffs bekundet er Solidarität mit den Menschen in der Ukraine. „Wir schauen heute auf eine Welt, die nach Frieden ruft – im Namen Gottes, dieser Krieg braucht ein Ende, jetzt“, appelliert Wilmer. Frieden sei kein ferner Traum.
Auf Fragen zur Kirchenpolitik antwortet Wilmer eher ausweichend. „Es geht darum, die Kompetenz von Frauen sichtbar zu machen und wichtige Positionen mit Frauen zu besetzen“, sagt er etwa zur umstrittenen Ämterfrage. Er begrüße es, „dass die Weltsynode das Thema Frauen in Ämtern auf der Tagesordnung hat“. Mehr lässt er sich nicht entlocken.
Bis zuletzt wurde gerätselt, wer die Nachfolge von Georg Bätzing antreten könnte. Wilmer gilt als gut vernetzt in Rom, spricht mehrere Sprachen. In vielen Fragen ist er durchaus fortschrittlich. So setzt er sich für eine Erneuerung der Sexualmoral ein. Die Möglichkeit zur Segnung homosexueller Paare begrüßte er in der Vergangenheit ausdrücklich.
Gegenwind scheut der Gelassenheit ausstrahlende Mann nicht. Auf Plattdeutsch sagt er: „Wir machen das hier mit Schmackes und gehen über den Deich mit einer steifen Brise im Haar.“ In den kommenden sechs Jahren an der Spitze der katholischen Kirche in Deutschland dürfte er noch einige Turbulenzen erleben.