Große Errungenschaften? Trumps ganz eigene Regierungsbilanz. © Holston/AFP
Washington – Die Rede zur Lage der Nation ist für US-Präsident Donald Trump in eine Zeit gefallen, in der für ihn viel auf dem Spiel steht: Gut acht Monate vor den wichtigen Zwischenwahlen zum Kongress musste Trump seine bisherige Politik verteidigen und um die Gunst der Wähler werben. Seine Republikaner müssen bei den Wahlen im November ihre hauchdünne Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus verteidigen – sonst droht Trump zum angezählten Amtsinhaber zu werden.
In der seit Jahrzehnten längsten Rede zur Lage der Nation (eine Stunde und 47 Minuten) nahm er sich viel Zeit, die von ihm eingeladenen Gäste vorzustellen: Erika Kirk etwa, die Witwe des im September ermordeten rechten Aktivisten Charlie Kirk und die US-Eishockey-Nationalmannschaft der Männer, die bei den Olympischen Winterspielen die seit Jahrzehnten ersehnte Goldmedaille gewonnen hatte. Der demokratische Abgeordnete Al Green aus Texas stahl Trump kurz die Show. Green hielt ein Schild mit der Aufschrift „Schwarze sind keine Affen“ in die Höhe – eine Anspielung auf ein rassistisches Video, das Trump weiterverbreitet hatte.
Trump selbst hob vor allem die politischen Errungenschaften seiner Regierung hervor. Die große Frage dabei, ist: Was stimmt wirklich an seinen Erfolgsstorys? Ein Fakten-Check.
Arbeitslosenquote: „Heute arbeiten mehr Menschen als jemals zuvor in der Geschichte unseres Landes“, erklärte Trump. Im Januar 2026 waren mit 158,6 Millionen US-Beschäftigten tatsächlich mehr Menschen als je zuvor in Arbeit. Doch das ist bei Wirtschaftswachstum erwartbar, da auch die Bevölkerung auf mehr als 342 Millionen angewachsen ist. Der Anteil derjenigen aber, die beschäftigt waren oder aktiv nach einem Arbeitsplatz suchten (Erwerbstätigenquote), lag unter Trump im Januar 2026 mit 62,5 Prozent nur genauso hoch wie unter Joe Biden im Januar 2024.
Inflation: Trump behauptete, dass die Inflation „rapide“ sinkt. Zu Beginn dieses Jahres hat sich die Inflation tatsächlich überraschend deutlich abgeschwächt. Sie liegt aber weiterhin über dem Zielwert der US-Notenbank Federal Reserve. Im Jahresvergleich stiegen die Verbraucherpreise im Januar 2026 um 2,4 Prozent, die Fed strebt eine Rate von etwa 2 Prozent im Jahresvergleich an.
Kriege: Einmal mehr verkündete der US-Präsident, dass er in den ersten Monaten „acht Kriege beendet“ habe. Diese Darstellung ist übertrieben. Trump bezieht sich auf die Konflikte zwischen Kambodscha und Thailand, Pakistan und Indien, Kosovo und Serbien, Israel und den Iran, Ägypten und Äthiopien, Armenien und Aserbaidschan, den Kongo und Ruanda sowie den Gazakrieg. Doch nicht alle diese Konflikte sind Kriege, und in nicht allen schweigen die Waffen.