Merz spielt wieder Pingpong

von Redaktion

Der Kanzler in China

Ein Abkommen mit dem Deutschen Tischtennisbund: Das klingt wenig spektakulär. Es hat aber doch Symbolkraft, wenn Friedrich Merz mit diesem Sport nach China reist. Denn es war die Pingpong-Diplomatie, es waren chinesische und US-Tischtennisspieler, die 1971 die Annäherung des maoistischen Chinas an den Westen einleiteten.

Heute stehen die Beziehungen zu China wieder vor einem ähnlichen Wendepunkt. Weniger, weil sich Chinas autokratischer Kurs verändert hätte. Es sind die Probleme, unter denen Deutschland leidet, die eine Neujustierung des Verhältnisses erzwingen. Vorbei die Zeiten, da die Kritik an Menschenrechtsverletzungen im Zentrum solch einer Kanzler-Visite stand. Zwar hat sich in dieser Hinsicht in China nichts gebessert – aber angesichts der Probleme der deutschen Wirtschaft und der Unberechenbarkeit von Donald Trump kommt Xi Jinping eine derart wichtige Rolle zu, dass Merz andere Schwerpunkte setzen muss.

Da ist die deutsche Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen. Da ist der gemeinsame Kampf gegen den Klimawandel. Und da sind die gegenseitigen Geschäfte. Hier hat Merz seinen stärksten Trumpf: Der freie Zugang zum EU-Binnenmarkt ist für Chinas Wirtschaft so wichtig, dass der Kanzler nicht nur ein Bittsteller ist. Denn auch die chinesische Wirtschaft leidet unter Problemen: Überkapazitäten, Immobilienkrise, Jugend-Arbeitslosigkeit. Pingpong lebt von gleichwertigen Spielern.

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