Tauwetter, aber kein Frühling in Peking

von Redaktion

Heikle Gespräche: Friedrich Merz wird in Peking von Xi Jinping begrüßt. © KAPPELER/dpa

Peking – Es ist der erwartet schwere Spagat: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat bei seinem Besuch in China „marktverzerrende Subventionen“, mangelnde Marktöffnung und den chinesischen Handelsüberschuss angeprangert. Gleichzeitig warb er aber für mehr chinesische Investitionen in Deutschland zur Schaffung von Arbeitsplätzen und plädierte für die Stärkung einer „umfassenden strategischen Partnerschaft“ mit China.

Merz forderte die chinesische Führung auch auf, ihren Einfluss auf Russland zu nutzen, um den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu beenden. Die Signale aus China würden in Moskau sehr ernst genommen, sagte er nach seinen Gesprächen mit Präsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Qiang. „Das gilt für Worte wie auch für Taten. Ich will ausdrücklich das chinesische Bekenntnis zum Frieden in der Region begrüßen, das ich heute gehört habe.“

Nach chinesischen Regierungsangaben hat sich Xi beim Treffen mit Merz zwar für Verhandlungen ausgesprochen, um zu einer Lösung zu kommen. Er verzichtete aber erneut auf eine direkte Schuldzuweisung an Russland und sagte, alle Parteien müssten gleichberechtigt eingebunden und ihre Anliegen berücksichtigt werden. China gilt als wichtigster verbündeter Russlands. Der Führung in Peking wird vorgeworfen, Wladimir Putin durch Öl-Käufe und Technologie-Transfers zu unterstützen.

Es ist der erste Besuch des Kanzlers in China neuneinhalb Monate nach seinem Amtsantritt. Vor seinem Abflug hatte Merz fünf Leitlinien für seine China-Politik ausgegeben. Dazu gehört die Minderung von Abhängigkeiten, aber eine klare Absage an eine Entkopplung von China. Damit knüpft er an die Ampel-Regierung von Kanzler Olaf Scholz an, die in ihrer China-Strategie die von der Kommunistischen Partei allein geführte zweitgrößte Wirtschaftsmacht als Partner, Wettbewerber und Systemrivalen definiert hatte.

Das Wort Rivale verwendete Merz in Peking zumindest bei seinen öffentlichen Auftritten nicht. Stattdessen wählte er ein anderes Motiv, um gute Stimmung zu machen: Er erzählte ziemlich viel vom Pferd. Nicht im sprichwörtlichen Sinne, sondern im tatsächlichen. In China hat gerade das Jahr des Feuerpferdes begonnen. Merz, der gerne Krawatten mit Tiermotiven trägt, erwähnte das bei fast jedem öffentlichen Auftritt. „Seine Stärke spielt ein Pferd nicht alleine aus, sondern indem es den Wagen gemeinsam mit anderen zieht“, sagte er schon vor dem Abflug.

Es gab aber auch eine Reihe klarer Ansagen von ihm an seine Gastgeber. Aus seinem Umfeld heißt es, er sei nicht nach China gekommen, um „den Eindruck entstehen zu lassen, dass wir hier in einen neuen deutsch-chinesischen Frühling“ gehen.

Dass sie Unterstützung brauchen, hatten ihm Unternehmer und Wirtschaftsverbände schon vor der Reise klargemacht. 30 Top-Manager begleiteten ihn nach China. Diese drei Punkte machte er:

– Das immer größer werdende Handelsdefizit wird zum Problem: Die deutschen Exporte nach China hatten 2025 nur noch einen Wert von 81,3 Milliarden Euro. Bei den Importen aus China gibt es dagegen einen steilen Trend nach oben bis auf 170,6 Milliarden Euro. Er wolle keinen Protektionismus, aber eine „moderate Aufwertung“ der chinesischen Währung Renminbi, sagte Merz.

– Zu nachhaltigen und ausgewogenen Handelsbeziehungen gehöre, dass Rohstoffe „möglichst frei nach wirtschaftlichen Erwägungen gehandelt“ werden könnten. Damit meint er vor allem die seltenen Erden, deren Verarbeitung zu 90 Prozent von China kontrolliert wird. Ein Druckmittel, das China auch bereit ist einzusetzen.

– Auch die durch Chinas subventionsgetriebene Industriepolitik hervorgerufenen Überkapazitäten sprach Merz an.

Li ging in seiner anschließenden Rede auf die Vorhaltungen nicht ein. Präsident Xi Jinping lobte später die sachorientierte China-Politik der Bundesregierung.Bei den konkreten Vereinbarungen gab es zunächst keinen großen Wurf.

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