Frustthema Nummer eins in Oberbayern sind die hohen Mieten. In München wurde jüngst erst demonstriert. F.: Preiss/dpa
Die Zufriedenheit in Oberbayern im Bayerntrend © Infratest dimap
München – Es ist das höchste Lob in weiten Teilen Bayerns, in Franken sogar Ausdruck maximaler Euphorie: „Passt scho.“ Wenn Wähler finden, alles in allem könne man einigermaßen zufrieden sein, sichert das Regierenden die Wiederwahl. Die CSU baut bei ihren Kampagnen in Bayern seit jeher auf diese Grundzufriedenheit, auch Münchens SPD-Oberbürgermeister kultivieren das seit Jahrzehnten. Aber reicht das für die große Kommunalwahl in zehn Tagen auch?
Auf den ersten Blick schaut es in Bayern noch immer nach „Passt scho“ aus. 85 Prozent im Freistaat sind mit den Lebensbedingungen insgesamt zufrieden, nur 15 Prozent nicht. Das ermittelt der neue Bayerntrend, den BR24 mit Infratest dimap erhoben hat und in Kooperation mit unserer Zeitung veröffentlicht. Doch beim genaueren Hinsehen zeigt sich: Das schöne Bild bekommt Risse. In der Gesamtlage überwiegt ein positives Urteil, aber in mehreren lebensnahen Politikfeldern wächst Groll.
Rund 3500 Bayern wurden seit 29. Januar befragt, diesmal nicht landesweit, sondern aufwändiger nach Regierungsbezirken unterteilt. Vor allem der nähere Blick auf Oberbayern inklusive München lohnt sich. In der Summe fühlen sich hier zwar 87 Prozent mit den Lebensbedingungen wohl. Doch bei den Schulen und Kitas (nur 51 Prozent zufrieden) und vor allem bei bezahlbarem Wohnraum und den Mieten (18 Prozent zufrieden, 73 Prozent nicht) baut sich kräftiger Missmut auf. Wohnungsnot und Preisexplosion in München und dem weiteren Umland machen sich da voll bemerkbar.
Differenziert ist das Bild beim öffentlichen Nahverkehr. In Oberbayern ist gut die Hälfte der Befragten zufrieden damit. Getragen wird das aber von der Millionenstadt München, wo zwei Drittel den Nahverkehr, falls er denn mal nicht streikt, recht prima finden. Je kleiner der Ort, desto kritischer wird der Blick. In Kleinstgemeinden unter 5000 Einwohnern sind nur noch 29 Prozent zufrieden – wohl oft Orte mit schlecht getakteter, lückenhafter Bus-Anbindung. Genau andersrum ist das Bild bei Schulen und Kitas: Platzmangel in der Metropole, Zufriedenheit am Dorf.
Beim Sicherheitsgefühlt der Menschen gilt die Faustregel: je kleiner der Ort, desto sicherer fühlen sich die Bürger. In Bayerns Großstädten, also 100 000 Einwohner und mehr, loben nur 74 Prozent Sicherheit und Ordnung. Den gleichen Wert haben die mittelgroßen Städte ab 20 000 Einwohnern, also viele der Kreisstädte in Oberbayern. Auch da sind Kriminalität und Unsicherheitsgefühl nicht überwiegend, aber präsenter als früher.
Rückschlüsse aufs Wahlergebnis am 8. März lässt das nur bedingt zu. Eine Sonntagsfrage wurde nicht gestellt; das ist auch extrem schwierig angesichts des aufwändigen Wahlrechts und der Listen, bei denen CSU und Junge Union vielerorts getrennt antreten und Parteifreie oft nichts mit den Aiwanger-Freien-Wählern am Hut haben (wollen). Als Stimmungstest dient aber die Frage, welcher Partei lokal man zutraue, die wichtigsten Probleme vor Ort zu lösen. In Oberbayern sind das CSU (28 Prozent), FW (5), AfD (8), SPD (10) und Grüne (8). Die bayernweiten Werte: CSU (25), FW (10), AfD (9), SPD (9) und Grüne (5). Der Anteil derer, die keiner Partei etwas zutrauen, ist in den letzten Jahren gestiegen, warnen die Meinungsforscher. Nach „Passt scho“ klingt auch das nicht.