Zuversichtlich: Heiner Wilmer (Mitte), der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz, mit der Generalsekretärin Gilles. © Oppitz/KNA
Würzburg – 48 Stunden nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz hat der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer seine anfängliche Zurückhaltung abgelegt: Auf der Pressekonferenz zum Abschluss der Vollversammlung in Würzburg gab es deutliche Worte zur AfD, zur Migrationspolitik, zu Kirchenreformen und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Damit machte Wilmer deutlich: Er wird nicht mit Wattebäuschchen werfen. Von ihm sind klare Positionierungen zu erwarten.
Gerade im Hinblick auf das Wahljahr 2026 rief der 64-Jährige zum Schutz der Demokratie auf. „Von Würzburg aus sage ich deutlich: Wehret den Anfängen! Unsere Demokratie organisiert die Uneinigkeit einer Gesellschaft in gerechter und friedvoller Weise.“ Die Menschen sollten genau hinschauen und „sich nicht von den vordergründig attraktiv gemeinten Klängen der AfD verführen lassen“. Wilmer zitierte den Magdeburger Bischof Gerhard Feige, der einen Bericht über die AfD gegeben hatte. Die AfD werte alle anderen Parteien ab, formuliere einen Retro-Traum von Familienidylle und wünsche eine Remigration ganzer Bevölkerungsgruppen. Die AfD werde alles tun, die finanziellen Grundlagen der Kirchen zu zerstören. „Wir Bischöfe wiedersetzen uns den Bestrebungen des Populismus der AfD, die Kirche zu diskreditieren. Wir verwahren uns davor, unsere Themen gleichsam billig zu kopieren und in nationalistisches Denken und Handeln umzuwandeln“, sagte Wilmer. „Völkischer Nationalismus und menschenverachtende Parolen der AfD haben in der katholischen Kirche keinen Platz.“
Zugleich warnte der neue Vorsitzende die Bundesregierung davor, Geflüchteten aus der Ukraine den Zugang zu Integrationskursen zu erschweren. „Die Integration scheitert nicht am guten Willen der ukrainischen Geflüchteten“, betonte Wilmer. Viele Ukrainer seien inzwischen gut integriert. „Solche Erfolge sollte man nicht politisch konterkarieren.“
Bald möglichst will Wilmer nach Rom fahren und dem Vatikan eine Ordnung des Predigtdienstes vorlegen. Die deutschen Bischöfe wollen, dass künftig Frauen und nichtgeweihte Männer in Messen predigen dürfen. Dies geht auch auf einen Beschluss der deutschen Synodalversammlung zurück. Laut Kirchenrecht dürfen Laien nicht in Messen predigen. Der Hildesheimer Bischof machte deutlich, dass er im Vatikan verständlich machen will, dass „wir mit der Weltkirche zusammenbleiben“. Zudem will er in Rom persönlich die Anerkennung der Satzung für dort noch mit Argwohn betrachtete Synodalkonferenz beantragen. Das ist ein geplantes nationales Beratungs- und Beschlussgremium von Bischöfen und Laien.C. MÖLLERS