Kuba geht das Öl aus wegen der Blockaden. © Mastrascusa/EPA
München – Es passt zur unübersichtlichen Gesamtlage, dass selbst dieser Mittwoch nicht allein im Zeichen der Eskalation stand. Begonnen hatte er mit einem Signal, das nach vorsichtiger Annäherung klang. Am frühen Abend trafen in Europa erste Eilmeldungen ein, wonach die USA die Beschränkungen für venezolanische Ölexporte nach Kuba lockern wollen, die dem sozialistischen Inselstaat seit Monaten schwer zusetzen. Von „Solidarität mit dem kubanischen Volk“ sprach das Finanzministerium.
Der Eindruck von Entspannung verflog bald wieder. Nur wenige Stunden später machten erste Berichte über eine Schießerei in kubanischen Hoheitsgewässern die Runde. Ein in Florida zugelassenes Boot sei Richtung Süden gesteuert, als die Grenzschützer es kontrollieren wollten, hätte dessen Besatzung das Feuer eröffnet. Nach kubanischen Angaben wurden vier Angreifer getötet und die übrigen sechs festgenommen, allesamt verletzt.
Von „terroristischen Absichten“ spricht das Innenministerium in Havanna. An Bord habe man Waffen, Sprengsätze, kugelsichere Westen und Tarnuniformen gefunden. Ein weiterer Verdächtiger sei zudem in Kuba festgenommen worden. Er habe gestanden, aus den USA „entsandt“ worden zu sein. Bei sämtlichen Beteiligten handele es sich um Exil-Kubaner, die in den USA lebten. Die meisten seien schon vorher wegen krimineller und gewalttätiger Aktivitäten bekannt gewesen.
Der Wahrheitsgehalt solcher Aussagen ist zweifelhaft. Das Verhältnis zwischen beiden Ländern ist seit der kubanischen Revolution 1959 extrem angespannt. Zuletzt hatten US-Blockaden und die Androhung hoher Zölle die Öl-Lieferungen an Kuba fast zum Erliegen gebracht, die Energieversorgung der Karibikinsel bewegt sich seitdem am Limit. Nach kubanischer Lesart reiht sich der Vorfall nun nahtlos ein in die jüngsten Entscheidungen, die Havanna als Repressalien empfindet, die zu einem Machtwechsel führen sollen.
Die ersten Reaktionen aus Washington klangen vorsichtiger. „Es reicht zu sagen, dass es sehr ungewöhnlich ist, solche Schießereien auf offener See zu sehen“, sagte Außenminister Marco Rubio. Eine Beteiligung von US-Soldaten schloss er aus. Die „New York Times“ meldete unter Berufung auf Regierungskreise, die Bootsbesatzung habe als Teil einer zivilen Flotte Angehörige aus Kuba befördern wollen.
Im südlichsten Bundesstaat ging es mit der Einordnung schneller – und undiplomatischer. Floridas republikanischer Justizminister James Uthmeier formulierte harsch: „Der kubanischen Regierung kann man nicht trauen, und wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um diese Kommunisten zur Rechenschaft zu ziehen.“ Verlinkt war die Botschaft mit dem Post eines Parteifreundes – der zum Sturz der kubanischen Regierung aufrief.