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Söders Plan für die dritte Amtszeit

von Redaktion

Bayern steigt in Kernfusion ein

Die alten Atomkraftwerke sind kaum abgerissen, da startet Bayern bei der (neuen) Kernkraft neu durch: In der Münchner Staatskanzlei gab Ministerpräsident Söder jetzt den Startschuss für milliardenschwere Investitionen in die Kernfusion. In Garching soll in sechs Jahren ein Forschungsreaktor fertiggestellt werden, in Gundremmingen – auf dem Gelände des alten AKW – später ein kommerzieller Reaktor. Nichts weniger als eine führende Rolle im weltweiten Wettlauf um die Entwicklung der modernen Fusionstechnologie strebt der Bayernregent für seinen Freistaat an.

Auch wenn noch nicht ganz klar ist, wann sich die hochfliegenden Hoffnungen der Forscher auf die Gewinnung sauberen, sicheren und bezahlbaren Stroms aus der Verschmelzung von Wasserstoffatomen erfüllen, ist das ein starkes Bekenntnis: Bayern steigt wieder in eine faszinierende Schlüsseltechnologie ein und beendet die Ära der deutschen Ausstiege aus wichtigen Zukunftsbranchen. Es bleibt ja auch keine andere Wahl: Die Zeit der billigen Energie ist vorbei, und gute Autos bauen heute auch andere Länder. Zwei Trümpfe haben die Bayern im Ärmel: In Garching existiert bereits die erforderliche Spitzenforschung, und aus Berlin gibt es viel Geld aus den Töpfen der CSU-Forschungsministerin Dorothee Bär.

Auf drei Säulen ruht der Plan, mit dem die Staatsregierung Bayern zum Gewinner der Zeitenwende machen will. Neben der Kernfusion ist das die seit Putins Überfall auf die Ukraine boomende Rüstungsindustrie und, damit eng verknüpft, die Raumfahrtforschung mit ihren bahnbrechenden Erkenntnissen auch für andere Anwendungsgebiete. Auf allen drei Feldern soll Bayern mit tatkräftiger Unterstützung durch die Politik zum Champion in Europa werden. 150 Unternehmen mit etwa 100.000 Mitarbeitern und fast 10 Millliarden Euro Jahresumsatz machen Bayern schon jetzt zum europäischen Rüstungs-Powerhouse. Mit Airbus, KNDS, MTU, Hensoldt, Diehl, Rohde & Schwarz, IABG, Helsing und Quantum Systems sitzen dessen erste Adressen im Freistaat. Sie absorbieren begierig die Fachkräfte, die die Autoindustrie freisetzt.

Strauß hat Bayern vom Agrar- zum Industriestaat geformt, Stoiber machte es zum Hightechland. Lange hat CSU-Chef Söder gegrübelt, mit welcher Agenda er sich 2028 um eine dritte Amtszeit als Ministerpräsident bewerben könnte. Scheint, als hätte er sie mit der Nach-Zeitenwende-Transformation jetzt gefunden.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET

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