Es schmerzt – wir müssen es aushalten

von Redaktion

Debatte um die Berlinale

Diese Rede bei der Berlinale war abscheulich. Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib hat der Bundesregierung vorgeworfen, „Partner des Völkermords in Gaza“ zu sein. Er drohte: „Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war.“ Das ging gegen alle, die sich nicht der Hamas-Propaganda anschließen wollen. Bundesminister Carsten Schneider zeigte die einzig angemessene Reaktion und ging. Bedauerlich, dass er damit weitgehend allein blieb. Erschreckend, dass Alkhatib auch Applaus erhielt.

Die Berlinale ist seitdem nicht zur Ruhe gekommen, obwohl Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mit seinen Entlassungsplänen gescheitert ist. Direktorin Tricia Tuttle bleibt (vorerst) im Amt. Eine gute Nachricht. Denn: So falsch Alkhatibs Aussagen sind – er hat das Recht, sie zu äußern. Kunst- und Redefreiheit sind ein hohes Gut, die deutsche Geschichte hat das gelehrt. Grenzen für dieses Grundrecht formuliert das Strafgesetzbuch. Antisemitismus (natürlich auch jener, der sich als Israelkritik tarnt) ist ein Verbrechen und muss geahndet werden. Bislang gibt es aber keinen Juristen, der in Alkhatibs Sätzen einen Rechtsbruch erkennt. So schmerzhaft es ist: Wir müssen sie aushalten.

Der Rausschmiss Tuttles wäre also ein falsches Signal. Das machte nicht zuletzt eine politisch breit gefächerte Allianz von Kunstschaffenden klar, unter ihnen der israelische Regisseur Tom Shoval, der 2025 „Letter to David“ in Berlin vorstellte, einen Film über eine der vielen Geiseln der Hamas-Terroristen.

Der Streit um die Berlinale zeigt: Man begreift die Welt in ihrer Komplexität eben nicht, wenn man sich darauf beschränkt, den Daumen zu heben oder senken. Kunst macht uns das bewusst.MICHAEL.SCHLEICHER@OVB.NET

Artikel 10 von 11