Man steht auf und reibt sich verwundert die Augen: In den Morgennachrichten wird verkündet, dass sich tief in der Nacht Deutsche Bahn und die Gewerkschaft der Lokomotivführer auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt haben. Wie bitte? Ganz ohne Streik? Die Lokführer?
Ja, es geschehen noch Zeichen und Wunder bei der Bahn. Dass der neue GDL-Boss Mario Reiß eine andere Type ist als sein Haudrauf-Vorgänger Claus Weselsky, mag eine Erklärung für die schnelle Einigung sein. Etwas anderes war aber wohl wichtiger: Die Deutsche Bahn weicht erstmals vom Tarifeinheitsgesetz ab. Das TEG besagt, dass der Tarifabschluss mit der GDL eigentlich nur in jenen Bahn-Teilbetrieben gilt, in denen die GDL die Mehrheit unter den Arbeitnehmern hat. Künftig wirkt der GDL-Abschluss nun auch dort, wo die GDL in der Minderheit ist. Diese Konzession der Bahn erklärt, warum die GDL überraschend schnell der Tarifeinigung zustimmte – obwohl das Lohnplus von fünf Prozent über zwei Jahre für GDL-Verhältnisse eher mager ausfällt.
Jetzt kann man nur hoffen, dass sich auch Verdi mit den Verkehrsunternehmen einigt. Es ist doch gar nicht so schwer.