WIE ICH ES SEHE

Max Planck im Kampf um die Weltanschauung

von Redaktion

Die Welt wird immer rauer vor unseren Augen, und wir merken es kaum. Denn wir sind alle mit unseren Alltagsaufgaben beschäftigt, auch wenn der Blick in die Morgenzeitung oder das Hören der Fernsehnachrichten zur Qual wird.

Dass wir uns gegen die mächtigen Herrscher dieser Welt kaum wehren können, ist unser Schicksal. Auch gegen die Torheiten unserer Politiker, die es eigentlich gut meinen, haben wir gerade mal eine Stimme alle vier Jahre bei den großen Wahlen.

Das war immer so. Schon Horaz hat, bezogen auf den Streit zwischen Agamemnon und Achill im Trojanischen Krieg, der viele Griechen das Leben gekostet hat, gesagt: „Was die Könige beginnen und anrichten, müssen die einfachen Leute ausbaden.“ Diese „einfachen Leute“, das sind heute die sterbenden Soldaten auf den Schlachtfeldern der Ukraine und die Opfer von anderen Grausamkeiten, die von Machthabern ins Werk gesetzt werden.

Wir Normalbürger können die Welt nicht steuern. Jeder Einzelne kann aber doch beitragen zur täglichen und stündlichen Erneuerung des Lebens, verbunden mit dem immer wieder von vorn beginnenden Ringen nach Verbesserung und Vervollkommnung.

Es ist wie in dem Mythos des Sisyphos, der jeden Tag einen Stein den Berg heraufzuwälzen hat, nur um ihn am nächsten Morgen wieder unten an der alten Stelle zu finden. Der Philosoph Camus aber hat dazu geschrieben: „Man muss sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen.“

Zum glücklichen Leben gehört, einen festen Punkt zu haben, eine feste Grundlage, die in den steten Nöten und in der Unrast unseres Daseins einen unmittelbaren und bleibenden Halt gewährt.

Der Nobelpreisträger und Physiker Max Planck hat mit seiner „Quantentheorie“ vor über 100 Jahren die Grundlage für die moderne Physik gelegt. In einem Vortrag, den er 1935 in Berlin gehalten hat, fragt er nach der „Weltanschauung“, nach dem bleibenden Halt in unser aller Leben über die Physik hinaus: „Wir können uns glücklich preisen“, so Planck, „dass wir einen festen Punkt, einen sicheren Besitz, einen unverlierbaren Schatz besitzen, der inneren Frieden gewährleistet und dem daher Ewigkeitswert innewohnt. Das ist eine reine Gesinnung und ein guter Wille. Diese beiden geben den festen Ackergrund in den Stürmen des Lebens. Sie sind die erste Voraussetzung für wahrhaft befriedigendes Handeln und zugleich das wirksamste Schutzmittel gegen die Qualen nagender Reue.“

Reine Gesinnung und guten Willen haben die meisten Menschen in allen Ländern. Es sind durch die ganze Weltgeschichte die Machthaber des Bösen, die Blutbäder anrichten oder durch Torheit ihre Völker ins Unglück stürzen. Max Planck hat das im persönlichsten Bereich schmerzhaft erleiden müssen. Sein Sohn wurde wegen Beteiligung am Widerstand gegen Hitler im Januar 1945 in Plötzensee hingerichtet. Planck war zu diesem Zeitpunkt schon 86 Jahre alt. Erfolglos hatte er versucht, bei der NS-Führung um Gnade für seinen Sohn zu bitten…

Schreiben Sie an:

ippen@ovb.net

Artikel 4 von 11