Israels Premier Netanjahu telefoniert mit Trump. © EPA
Der US-Präsident gibt eine Erklärung zum Krieg ab. © AFP
München – Über Dubai, sonst bekannt für glitzernde Einkaufszentren und gigantische Wolkenkratzer, steigt dichter schwarzer Rauch auf. Ein Teil der Fassade des ikonischen Luxushotels Burj al Arab steht in Flammen. Auf der künstlichen Insel „The Palm“ schlägt eine Kamikazedrohne ein. Am Flughafen, einem der weltweit wichtigsten Drehkreuze, werden Mitarbeiter von Raketentrümmern verletzt. Das Urlaubsparadies wird über Nacht zum Kriegsschauplatz – so wie fast die gesamte Region.
Es ist Teherans Vergeltung für den Angriff der USA und Israels aufs Mullah-Regime. Bei der „Operation Epic Fury“ (gewaltige Wut) wurde Ajatollah Ali Chamenei getötet. Die 36-jährige Herrschaft des Obersten Führers endete am Samstag mit einem Schlag der israelischen Luftwaffe (siehe Seite 3). US-Präsident Donald Trump, der die Mission von seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida verfolgte, sprach vom Tod „eines der bösartigsten Menschen der Geschichte“. Teheran bezeichnete den Schlag als „offene Kriegserklärung“ – und schwor Blutrache.
Hunderttausende Israelis mussten sich seit Samstag vor iranischem Raketenbeschuss in Schutzräume retten. Bei einem Angriff auf die Stadt Beit Schemesch im Zentrum Israels sind am Sonntag mindestens neun Menschen getötet und midnestens 45 verletzt worden.
Doch die Vergeltung trifft nicht nur Israel, sondern die gesamte Region. Binnen Stunden drohte aus einer Militäraktion ein regionaler Flächenbrand zu werden. Neben Dubai geriet auch Abu Dhabi unter Beschuss. In Bahrain, Sitz der Fünften US-Flotte, wurden Wohngebäude und der Flughafen beschädigt. In Katar fing die Luftabwehr mehrere Raketen- und Drohnenwellen ab. Der US-Stützpunkt Ali al-Salem in Kuwait sowie der Flughafen wurden mit ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen. In Saudi-Arabien standen der US-Stützpunkt Prinz Sultan und die Hauptstadt Riad unter Beschuss. Selbst der Oman, der als Vermittler gilt, wurde attackiert. In Jordanien wurde laut „Spiegel“ ein Bundeswehr-Feldlager angegriffen, aber nicht getroffen.
Der Flugverkehr im gesamten Nahen Osten liegt lahm. Tausende Reisende sitzen fest. Die arabischen Staaten verurteilten den Beschuss durch Iran scharf. Seit Jahren fürchten die Golfstaaten, im Falle eines Kriegs selbst Ziel militärischer Schläge zu werden – laut „Financial Times“ hatten sie es deshalb US-Streitkräften untersagt, von ihren Basen aus Angriffe zu starten.
„Der Iran schlägt nun wild um sich“, sagt Michael Rimmel, Leiter des Jerusalemer Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung. „Diese Willkür zeigt, wie sehr das Regime unter Druck steht.“ Durch Israels Abwehrfähigkeiten sehe sich Teheran dazu gezwungen, die Nachbarländer in der Region zu attackieren, erklärt der Nahostexperte. „Ich halte das für einen großen strategischen Fehler. Der Iran hat sich dadurch nur noch weiter isoliert – dabei hat er, abgesehen von der sogenannten Achse des Widerstands, ohnehin kaum noch Unterstützer in der Region.“
Zur Achse des Widerstands gehören Terrormilizen wie die Hisbollah im Libanon, die Hamas (Gaza) und die Huthi im Jemen. Noch ist unklar, ob sie sich in den Krieg einmischen werden. Fest stehe schon jetzt, dass die Karten im Nahen Osten neu gemischt werden. „Die Schwäche des Iran kann dazu führen, dass andere Länder in der Region zusammenrücken“, erklärt Rimmel. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate etwa, sonst eher Rivalen, haben bereits gegenseitige Solidarität verkündet.
„Die Lage wird sich nicht so schnell normalisieren“, erklärt Rimmel. Vieles hänge davon ab, wie die USA weiter vorgehen. Am Sonntag teilte das Pentagon mit, dass drei US-Soldaten bei iranischen Angriffen getötet wurden. Rimmel glaubt, das könne zu einer „erheblichen Eskalation“ führen.
Auch Europa müsse sich wappnen. „Wir müssen damit rechnen, dass der Iran mit Anschlägen auf jüdische und israelische Einrichtungen im Ausland reagieren wird“, warnt er. Das Innenministerium teilte mit, „hoch wachsam“ zu sein.