Gestrandet im Krieg: Touristen sitzen am Golf fest

von Redaktion

Auswärtiges Amt spricht Reisewarnung aus – Unter den Betroffenen: Gisela Holzmeier aus Germering

Sitzen in Doha fest: Katharina Schweizer (l.) und Gisela Holzmeier. © privat

München/Doha – Geplant war ein erholsamer Urlaub – nun sitzen Tausende Reisende in einer Krisenregion fest, die unter Raketenbeschuss steht. Durch den Iran-Konflikt sind auch viele deutsche Reisende im Nahen Osten gestrandet. Der Flugverkehr ist in der Golfregion ausgesetzt. Nach Angaben der Plattform „Flightradar24“ wurden an sieben großen Flughäfen der Nahost-Region mehr als 3400 Flüge gestrichen. Lufthansa geht in einem internen Schreiben davon aus, dass der Flugverkehr nicht vor Mittwoch Richtung Golfstaaten wieder aufgenommen wird. Betroffen sind auch Kreuzfahrten. Das Auswärtige Amt hat eine Reisewarnung für mehr als ein Dutzend Länder der Region veröffentlicht, sieht sich aber derzeit nicht in der Lage, Urlauber auszufliegen.

Zu den gestrandeten Touristen gehören auch Gisela Holzmeier (82) aus Germering und ihre Freundin Katharina Schweizer (77). Wir erreichen die beiden Frauen Sonntagmittag (Ortszeit) in ihrem Hotel in Doha.

Wie geht es Ihnen gerade?

Wir sind unheimlich müde. Wir haben über 24 Stunden am Flughafen von Doha verbracht. Wir sind auf der Rückreise aus Indien in Doha zwischengelandet. Von dort sind wir am Samstagmorgen zunächst auch planmäßig Richtung Deutschland weitergeflogen. Doch nach einer Stunde musste der Kapitän umdrehen. Zurück nach Doha. Wir haben noch eine Stunde im Flugzeug gesessen, weil alle hofften, dass wir doch noch heimkommen. Vergeblich. Dann harrten wir 24 Stunden am Flughafen aus. Es herrschte ein wahnsinniges Gedränge. Erst am Sonntagmorgen erfuhren wir, dass uns ein Bus in ein Hotel bringt. Diese 24 Stunden und die Ungewissheit sind unheimlich anstrengend.

Wissen Sie, wie es weitergeht?

Wir können Herrn Trump leider nicht fragen. Nein, im Ernst: Wir haben für einen Tag einen Hotel-Gutschein. Gerade haben wir gefrühstückt, abends wird es Essen geben. Der Gutschein wird aber wohl nicht reichen. Wir gehen davon aus, dass wir mehrere Tage hierbleiben müssen. Unser Problem ist hauptsächlich, dass wir unsere Koffer nicht zurückbekommen haben. So haben wir keine Wechselkleidung. Auch die Medikamente sind im Koffer.

Müssen Sie im Hotel bleiben?

Ja, es herrscht absolute Ausgangssperre. Wir blicken vom 13. Stock unseres Zimmers auf einen verwaisten Hafen. Unten sind die Hotelpools leer. Kein Mensch ist auf der Straße zu sehen. Alle paar Minuten bekommen wir einen Warnhinweis aufs Handy, dass wir uns an einen sicheren Ort begeben sollen. Sicher sind wir hier hoffentlich.

Haben Sie sonst Vorgaben?

Wir werden per Mail verständigt, wenn es weitergeht. Dann holt uns ein Bus ab und bringt uns zum Flughafen, damit wir wieder heil nach Deutschland fliegen können.

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