Straße von Hormus: das Tor der Ölstaaten zur Welt. © dpa
München/Frankfurt – Sie ist etwa 50 Kilometer breit, 167 Kilometer lang und verbindet den Persischen Golf mit den Weltmeeren: Die Straße von Hormus gilt als größtes Nadelöhr des Ölhandels. Nun stoppten staatlichen Medienberichten zufolge die iranischen Revolutionsgarden nach dem Angriff auf ihr Land den Schiffsverkehr dort. Doch was bedeutet das für die Wirtschaft und für deutsche Verbraucher?
Die Bedeutung der Straße von Hormus für die Wirtschaft ist riesig. Täglich passieren sie mehr als 100 Tanker und Containerschiffe. Die deutsche Handelsschifffahrt schlägt Alarm. „Die Eskalation trifft das Herz globaler Seehandelsrouten und auch die Schiffe deutscher Reedereien, vor allem aber die Menschen an Bord, unmittelbar“, sagte Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder. „Für viele unserer Mitgliedsunternehmen ist dies eine akute operative Krise, keine abstrakte geopolitische Entwicklung.“
Besonders groß wären die Folgen einer Blockade der Route aber für den Energiemarkt. 2024 wurde rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasproduktion durch die Meerenge transportiert. Ist der direkte Zugang der Ölstaaten zu den Weltmeeren versperrt, dürfte das globale Angebot an Öl und Gas sinken und die Preise steigen. Die Ölmärkte könnten „mit ihren schlimmsten Befürchtungen konfrontiert werden“, schreibt die britische Barclays Bank. Sie rechnet damit, dass der Ölpreis durch den Konflikt auf 100 US-Dollar steigt. Das wären rund 50 Prozent mehr als vergangene Woche. Auch der Preis für Flüssiggas könne sich wieder dem Niveau nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine nähern, zitiert der US-Sender CNBC den Energieexperten Saul Kavonic.
Das würde auch deutsche Verbraucher empfindlich treffen. Schon jetzt ziehen die Preise kräftig an. Außerbörslich kletterte der Ölpreis am Wochenende um zehn Prozent. Zwischen Donnerstag und Sonntag verteuerte sich der Liter Heizöl in Oberbayern zudem von 94 auf 99 Cent. Auch die Spritpreise stiegen: Während der Liter Diesel im Februar laut ADAC noch im Schnitt 1,75 Euro kostete, musste man am Sonntag vielerorts knapp 1,80 Euro und mehr zahlen. Der Preis für Super-Benzin stieg von 1,76 auf teilweise 1,85 Euro. Sollte der Ölpreis wirklich auf 100 Dollar je Barrel steigen, könnte die Teuerung insgesamt von derzeit 1,7 auf 3,0 Prozent steigen, rechnet Jörg Krämer vor. „Das wäre ein spürbarer Verlust an Kaufkraft für die Konsumenten“, so der Commerzbank-Chefvolkswirt. Er warnt davor, dass eine Explosion der Energiepreise auch die gerade etwas in Schwung kommende Wirtschaft wieder bremsen würde.
Ob das so passiert, hänge davon ab, ob sich der Militärschlag zu einem Flächenbrand im Nahen Osten ausweite, so Krämer. Bisher hält er das für unwahrscheinlich, weil weder US-Präsident Trump noch der Iran Interesse an einem langen Krieg hätten.A. HÖSS UND M. SCHNEIDER