„Wir schwanken zwischen Freude pur und Sorge“

von Redaktion

Rund 500 Menschen zogen am Wochenende durch München, um die Angriffe auf das iranische Regime zu feiern. © dpa

München – Krieg im Iran – Hoffnung in München: Am Samstag zogen bis zu 500 Menschen vors US-Konsulat in der Königinstraße, genau wie in Berlin oder Frankfurt. Viele von ihnen waren Exil- und Deutsch-Iraner. Unter ihnen: die Münchner Farhid Habibi und Maryam Giyahchi.

„Wir schwanken gerade zwischen Freude pur und Sorge“, sagt Habibi, der den deutsch-iranischen Verein „The Munich Circle“ leitet: „Freude über die Angriffe und den Tod Ali Chameneis – und Sorge darüber, wie es die Zivilbevölkerung treffen wird.“ Denn: „Das Volk ist extrem geschwächt. Die Menschen haben Angst, auf die Straße zu gehen.“

Rund um den Jahreswechsel hatte es massive Proteste gegeben, die blutig niedergeschlagen wurden. Doch jetzt wurde Chamenei bei den Angriffen getötet – gemeinsam mit vielen seiner Schergen. Habibi hofft, dass das so weitergeht: „Es ist jetzt wichtig, dass die USA und Israel die Führungsriege und Waffendepots der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) weiter zerstören. Die Menschen haben bereits den Tod von Chamenei gefeiert, und ihr Mut wird weiterwachsen, je mehr das IRGC geschwächt wird. Wenn das passiert, kann es gut sein, dass der Iran in den nächsten Tagen frei sein wird.“

Für Maryam Giyahchi (45): war der Angriff auf ihr Heimatland am Samstag ein historischer Moment. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich diesen Tag erlebe.“, sagt die Sozialpädagogin und SPD-Politikerin aus München: „Wir verspüren einerseits große Erleichterung, dass der Diktator und Massenmörder Ali Chamenei tot ist. Und haben große Hoffnung auf einen Regimewechsel. Gleichzeitig haben wir große Angst davor, was in nächster Zeit wirklich passieren wird. Dass der oberste Führer tot ist, bedeutet nicht, dass es auch zur Veränderung des ganzen Systems kommt.“

Sie hofft, dass der Sohn des Ex-Schahs von Persien das Land eint: „Er ist der kleinste gemeinsame Nenner als Oppositionsführer. Er ist von vielen anerkannt.“ Kritik, die Angriffe seien völkerrechtswidrig, kann Farhid Habibi übrigens nicht verstehen. „Menschenrechte gehen vor dem Völkerrecht, gerade wenn es Despoten schützt, die Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung verüben.“THOMAS GAUTIER

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