Es mag ein bisschen beleidigt klingen, wenn der Bundesaußenminister nun den Nahost-Urlaubern zuruft: Hättet ihr halt auf meine Warnungen gehört! Allerdings hat Johann Wadephul im Kern ausnahmsweise mal Recht. Es gab seit Wochen explizite und immer dringendere Reisewarnungen für die Region. Wer das ignoriert und als Vorsorge-Blabla missachtet hat, sollte jetzt bitte nicht als erster verlangen, vom deutschen Staat sofort ausgeflogen zu werden.
Wadephul fordert einen differenzierten Blick ein, ehe er große Evakuierungen anleiert. Da gibt es viele sehr unterschiedliche Gruppen. Erlebnisurlauber wider besseren Rat sind eine kleine Teilmenge, ebenso jene, die in den Schillerwelten am Golf einen sonnigen Ort zur Steuervermeidung gefunden haben, jetzt aber recht verschreckt auf eine Rauchsäule am Horizont starren. Schon größer ist die Zahl derer, die unverschuldet beim Umsteigen innerhalb der Golf-Airlines oder auf Schiffen in der Region festgesetzt wurden.
Kontakt halten, Informationen stellen, Unterkünfte vermitteln: Das muss das Außenministerium leisten, so weit es die in der Pflicht stehenden Reiseveranstalter nicht tun. Steuerfinanzierte staatliche Rückholaktionen per Charter oder sogar Militär für alle sind Sonderfälle für extreme Notsituationen, man denke an die plötzlichen Grenzschließungen in der Pandemie 2020. Das muss das letzte Mittel sein und ist teuer, denn von den Betroffenen lassen sich nur ein paar hundert Euro als Äquivalent zu einem Linienflug-Ticket zurückholen. In der aktuellen Lage schaut der Staat zurecht zuerst auf vulnerable Gruppen. Und auf jene, die er selbst in die Region beordert hat – Diplomaten, Bundespolizisten oder die Soldaten in Jordanien und Irak, auf die die Mullahs mit Drohnen und Raketen zielen.CHRISTIAN.DEUTSCHLAENDER@OVB.NET