Deutlicher Rückgang: Knapp 169.000 Asylanträge gab es 2025 dem deutschen BAMF zufolge – die EU-Asylagentur kommt nun mit 163.000 auf einen ähnlichen Wert für Deutschland.
Berlin/München – Alexander Dobrindt dürfte diese Zahlen als Bestätigung sehen. Eine Asylwende hat der CSU-Bundesinnenminister angekündigt. Und siehe da, die Antragszahlen sinken tatsächlich. Rund 163.000 der Asylanträge wurden 2025 in Deutschland gestellt. Damit ist die Bundesrepublik zwar nach wie vor das Land mit den meisten Asylanträgen in der EU. Allerdings ging die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 31 Prozent zurück. Macht sich der härtere Kurs also schon bemerkbar?
Dobrindt fährt unbestritten eine deutlich rigidere Linie gegen illegale Migration. Zurückweisungen an der Grenze, das Aussetzen des Familiennachzugs, Abschiebeflüge auch nach Afghanistan und Syrien. Doch schon seine Vorgängerin Nancy Faeser (SPD) schrieb sich vor rund einem Jahr zum Ende ihrer Amtszeit einen damals auch schon spürbaren Rückgang der Asylzahlen als ihren Erfolg auf die Fahne. Neue EU-Zahlen zeigen nun, dass der Trend anhält und über Deutschland hinausgeht. Die Zahl der Asylanträge in der gesamten EU sowie in Norwegen und in der Schweiz ist im vergangenen Jahr erneut deutlich zurückgegangen: Insgesamt wurden in den 27 EU-Staaten und den beiden Partnerländern rund 822.000 Anträge registriert, was einem Rückgang um etwa ein Fünftel im Vergleich zu 2024 (minus 19 Prozent) entspricht. Weiterhin konzentriert sich das Geschehen dabei vor allem auf wenige Länder: Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und Griechenland erhielten zusammen 80 Prozent aller Anträge. Ähnlich wie Deutschland verzeichneten Spanien (143.000), Italien (134.000) und Griechenland (62.000) Rückgänge – etwa 15 Prozent weniger Anträge. Stabil blieben hingegen die Zahlen in Frankreich (152.000).
EU-Migrationskommissar Magnus Brunner führt den Rückgang der Asylanträge auch auf die europäische Migrationspolitik zurück. „Ein zentraler Faktor dabei ist unser konsequentes Engagement in den Ländern entlang der Migrationsrouten“, teilt er mit. Die Europäische Union verstärkte zuletzt die Zusammenarbeit mit Ländern wie Ägypten oder Libyen – auch um Migranten davon abzuhalten, irregulär nach Europa zu kommen.
Ein weiterer äußerst wichtiger Grund ist dem Jahresbericht der EU-Asylagentur EUAA mit Sitz in Malta zufolge die Entwicklung in den Herkunftsländern. Vor allem, dass es 72 Prozent weniger Asylanträge von Menschen aus Syrien (42.000, 2024 waren es 151.000), aber auch aus Bangladesch (37.000) und der Türkei (33.000) gab. In Syrien gibt es seit dem Sturz von Langzeitdespot Baschar al-Assad Ende 2024 bei offenbar deutlich mehr Menschen wieder Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Türkei und Bangladesch stufte die EU jüngst als sichere Herkunftsländer ein. Für Antragsteller von dort bedeutet das in der Regel eine schnelle Ablehnung.
Europaweit die meisten Asylanträge stellten Afghanen. Ihre Anträge stiegen um ein Drittel auf 117.000. Die EU-Asylagentur begründete den Anstieg großteils mit einem Urteil des EU-Gerichtshofs, der bestätigte, dass die von den Taliban auferlegten Beschränkungen für Frauen einer Verfolgung gleichkommen würden. Viele der Anträge 2025 waren daher Wiederholungsanträge – sie spiegeln also keine Neuankünfte.
Auch Menschen aus Venezuela stellten deutlich mehr Anträge: Mit 91.000 – fast ein Viertel mehr als 2024 – liegt das Land auf Platz zwei. Der Großteil dieser Gesuche wurde in Spanien gestellt, das Venezolanern eine visumsfreie Einreise erlaubt. Als Gründe für den Anstieg nannte die Agentur die politische Lage in dem südamerikanischen Land, strenge Einwanderungspolitik der USA sowie verschärfte Visa-Regeln in Nachbarländern.
Neue Fluchtbewegungen könnten laut EUAA durch eine anhaltende Krise im Iran ausgelöst werden. „Bei einer Bevölkerung von etwa 90 Millionen Menschen könnte selbst eine teilweise Destabilisierung Flüchtlingsbewegungen von beispiellosem Ausmaß auslösen“, heißt es in dem Bericht, der vor Beginn des Iran-Krieges verfasst wurde.MIT DPA UND KNA