Ein brüllender Löwe erinnert in Israel an Kriegsheld Joseph Trumpeldor. © imago
München – Die Namen militärischer Operationen überdauern die Gefechte selbst. Sie finden ihren Platz in Geschichtsbüchern und stehen noch Jahrzehnte später auf Gedenktafeln. So wurde die Landung der Westalliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg unter dem Codenamen „Operation Overlord“ unsterblich. Auch die geheime Vergeltungsaktion des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad nach dem Olympia-Attentat von München 1972 ging unter dem Namen „Zorn Gottes“ in die Geschichte ein.
Namen schaffen dabei etwas, was Waffen allein nicht können: Sie deuten Konflikte, geben ihnen einen Rahmen. Diese narrative Macht zeigt sich auch heute: Bevor am Samstag die ersten Bomben auf Teheran fielen, hatten die USA und Israel bereits festgelegt, welche Geschichte sie vermitteln wollten.
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu nannte die Operation „Brüllen des Löwen“ und griff damit auf biblische Symbolik zurück. „Mit Gottes Hilfe ist das Löwengebrüll unserer Soldaten heute auf der ganzen Welt zu hören“, sagte er am Samstag nach Beginn der Angriffe. Der Löwe von Juda symbolisiert seit der Antike die Stärke und Widerstandsfähigkeit des jüdischen Volkes.
Bereits vergangenen Sommer nutzte Israel die martialische Löwen-Symbolik: Der Zwölftagekrieg gegen den Iran im Juni 2025 firmierte unter dem Namen „Operation aufsteigender Löwe“. Damit bezog sich die Führung des Landes auf eine Stelle im Alten Testament: „Siehe, das Volk wird sich erheben wie ein großer Löwe.“ Acht Monate später beginnt dieser Löwe mit der neuen Angriffswelle zu brüllen.
Das „Brüllen des Löwen“ greift jedoch nicht nur religiöse Motive auf, sondern erinnert auch an Joseph Trumpeldor (1880–1920), einen Helden des frühen Zionismus. Im Russischen Kaiserreich geboren, kämpfte er im Russisch-Japanischen Krieg und verlor dabei seinen linken Arm. 1911 wanderte er nach Palästina aus und diente dann im Ersten Weltkrieg in der „Jüdischen Legion“ an der Seite der Briten. Später schloss er sich zionistischen Kämpfern im Norden Galiläas an und fiel 1920 bei der Verteidigung der Siedlung Tel Chai. Seine letzten Worte waren der Legende nach: „Belanglos, es ist gut, für das Vaterland zu sterben.“ Heute erinnert in Tel Chai die Statue eines brüllenden Löwen an ihn – ein Symbol für seinen Patriotismus, das Netanjahu nun aufgreift.
Washington nennt seinen Angriff gegen den Iran derweil Operation „Epische Wut“ und verdeutlicht damit, dass es sich nicht nur um einen begrenzten Luftangriff handelt, sondern um eine Konfrontation von weitreichendem (epischem) Ausmaß.SOPHIA BELLIVEAU