Der Blick ins Oval Office: US-Präsident Donald Trump empfängt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). © Kay Nietfeld/dpa
Washington/München – Schon lange hat Friedrich Merz nicht mehr so viele Freundlichkeiten zu hören bekommen. Doch dann, die Pressekonferenz läuft schon gute 20 Minuten, muss der Kanzler Donald-Trump-Humor aus nächster Nähe erleben. Der US-Präsident ist von den Journalisten nach den Zöllen gefragt worden, die Deutschland und die USA seit Monaten entzweien. „Wie sollten wir mit Deutschland umgehen?“, fragt Trump launig in die Runde im Oval Office. Dann gibt er die Antwort selbst. „Wir sollten sie hart treffen!“ Und während er das sagt, boxt Trump dem Gast aus Berlin auf den Arm. Männerhumor. Gelächter. Was für ein Spaß!
Es ist ein typischer Trump-Auftritt im Oval Office. Merz redet drei Minuten, Trump 30. Der US-Präsident teilt die Welt in gut und böse ein. Oder besser: in „großartig“ und „schrecklich“. Die Rollen wechseln. Aber diesmal fallen Deutschland und sein Kanzler in die Kategorie „great“. Merz sei „ein Freund“ geworden, schwärmt Trump. „Wir haben eine große Zuneigung zueinander.“ Der Kanzler leiste „großartige Arbeit“ und sei bei den Deutschen „sehr beliebt“.
Sie haben sich viele Gedanken gemacht im Bundeskanzleramt, wie man mit diesem Präsidenten umgeht. Beim Antrittsbesuch im vergangenen Juni brachte der Deutsche das gerahmte Faksimile der Geburtsurkunde von Trumps Großvater mit. Das ersparte ihm in den folgenden Monaten zwar nicht die vielen Vorwürfe wegen der deutschen Energie- und Migrationspolitik. Unvergessen auch der harsche Auftritt von Vizepräsident JD Vance bei der Sicherheitskonferenz in München. Aber trotzdem scheint Merz einen Draht zum Herrn des Oval Office gefunden zu haben. Einen viel besseren als die Kanzlerin während Trumps erster Amtszeit. „Ich hatte Meinungsverschiedenheit mit Angela“, erinnert sich Trump düster. Doch Merkel ist Geschichte. Der neue Kanzler mache „ziemlich das Gegenteil von Angela bei Energie und Migration“, sagt Trump sichtlich zufrieden. Es werde bald einen großen Handelsdeal geben – was auch immer das heißt.
Merz ist, so will es der Zufall, an diesem nasskalten Dienstagmittag in Washington der erste Regierungschef, den Trump im Weißen Haus empfängt, seitdem die USA gemeinsam mit Israel den Iran attackieren. Der Termin ist schon im Dezember festgelegt worden. Allerdings hat sich die Weltlage seitdem mehrfach gedreht – und damit auch die Schwerpunkte des Gesprächs. Der Krieg im Nahen Osten überschattet nun alles. Auch den in der Ukraine. Der ist für die Europäer sehr viel wichtiger, droht aber in den Hintergrund zu geraten. Die Fragen der amerikanischen Journalisten drehen sich vorwiegend um den Nahen Osten. Trump bekräftigt die Kriegsziele, lässt aber bei Nachfragen nicht erkennen, dass es einen weitergehenden Plan gibt, als das Regime auszubomben.
Die Deutschen sind dabei die Guten. Sehr kooperativ habe sich Berlin in den vergangenen Tagen verhalten. Die Iraner aber sind die Bösen. Als „Spinner“ und „üble Typen“ beschreibt sie Trump. Aber auch europäische Staaten müssen sich auf schwierige Zeiten einstellen. Allen voran Spanien, das es schon länger ablehnt, seine Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Nun verweigere Madrid den USA die Nutzung der Luftwaffenbasen. Spanien sei „fürchterlich“, schimpft Trump. „Wir werden alle Handelsbeziehungen mit Spanien aufkündigen.“ Auch Großbritannien ist in Ungnade gefallen. Das Vereinigte Königreich sei sehr unkooperativ gewesen.
Der Kanzler sitzt daneben, lächelt milde und lässt alles über sich ergehen. Der Schlag auf den Arm war das Härteste, was er an diesem Tag abbekommt.