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Als Sidekick in der Donald-Trump-Show

von Redaktion

Nach dem Merz-Besuch bei Trump

Staatsbesuche. Das sind steife Veranstaltungen mit militärischen Ehren, diplomatischen Worten und Abendessen unter Kronleuchtern. Normalerweise. Staatsbesuche bei Donald Trump verlaufen komplett anders: Im Zentrum steht eine Art Pressekonferenz im Oval Office, bei der der US-Präsident für das heimische Publikum und seine Maga-Wähler eine Show abzieht. Seine Minister sitzen wie Schuljungen auf dem Bänkchen daneben und pflichten dem großen Meister geflissentlich bei.

Ausländische Staatsgäste haben da nicht viel zu melden. Sie fungieren quasi als Sidekick in Trumps Late-Night-Show, so wie einst Manuel Andrack bei Harald Schmidt. Wenn es gut läuft, sind sie Stichwortgeber: Friedrich Merz sprach drei Minuten, Trump 30. Und wenn es schlecht läuft, ergeht es ihnen wie dem südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa, den Trump mit einem angeblichen Massenmord an der weißen Bevölkerung des Landes konfrontierte, oder dem Ukrainer Wolodymyr Selenskyj, den der US-Präsident einfach hinauswarf.

Merz ertrug die Veranstaltung also mit einem süffisanten Lächeln – mit dem er vermutlich auch die vereinzelte Kritik in Berlin oder Madrid ertragen wird, er hätte sich stärker für das Völkerrecht oder den EU-Partner Spanien ins Zeug legen müssen. Der Kanzler erläuterte hinterher erfrischend ehrlich, er habe Trump nicht auf offener Bühne in die Parade fahren wollen – und brachte seine Bedenken lieber im kleinen Kreis an den Mann. Nach mehreren Begegnungen weiß er, dass es einen öffentlichen und einen privaten Trump gibt. Und mit Argumenten zu erreichen ist ausschließlich der private Trump. Live im Fernsehen lässt er sich nichts sagen.

Erst die Zeit wird zeigen, ob dieser Besuch etwas bewirkt hat. Bei den Zöllen, wo Trump selbst die Entscheidung des Supreme Courts beiseitezuschieben versucht, kam man nicht weiter. Im Gegenteil: Die Weigerung der linken spanischen Regierung, sich an der Nato-Aufrüstung zu beteiligen, belastet die Gespräche zwischen USA und EU zusätzlich. Trump wütete, er werde alle Handelsbeziehungen mit Madrid einfrieren – was natürlich nicht geht. Am ehesten könnte Merz‘ Forderung verfangen, dass auch die Europäer in die Gespräche zur Ukraine eingebunden werden. Denn Putin spielt auf Zeit. Das müsste einen wie Trump eigentlich gewaltig nerven.

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