KOMMENTARE

Ein neuer Tankrabatt ist eine schlechte Idee

von Redaktion

Explosion der Spritpreise

Neue Krise, alte Leier: Im Iran fallen die Bomben und schon schnellen in Deutschland die Spritpreise kometenhaft nach oben. Obwohl noch günstige Energie in den Lagern ist. Obwohl Öl, Gas und Sprit bisher keine Mangelware sind. Und obwohl die Beeinträchtigungen für die Energiewirtschaft noch gar nicht kalkulierbar sind. Autofahrer, aber auch Menschen, die mit Öl oder Gas heizen, stellen sich zu Recht die Frage: Ist das dreiste Abzocke?

Der Verdacht drängt sich auf. In Nachbarländern sind die Ausschläge nach oben offenbar weniger stark als in Deutschland. Das mag zum Teil an Versorgungswegen, Steuern und lokalen Markteigenheiten liegen. Trotzdem ist es richtig, dass das Kartellamt die Vorgänge der letzten Tage genau untersuchen soll. Was dagegen Unsinn ist: ein Tankrabatt wie zu Beginn des Ukraine-Krieges. Nicht nur, weil der Rabatt eine Milliarden-Subvention mit der Gießkanne wäre, die nicht lange durchhaltbar ist und die auch Wohlhabende fördert, die 20 oder 30 Euro mehr pro Tankfüllung locker stemmen können. Sondern auch, weil die Ölwirtschaft laut Auswertungen von Wirtschaftsforschern damals nur die Hälfte des Nachlasses weitergab – und die andere Hälfte einfach einsteckte.

Kriege und Konflikte führen neben all dem menschlichen Leid, das man in seiner Tank-Wut nicht vergessen sollte, immer wieder zu einem irren Auf und Ab der Energiepreise. Sie schüren Ängste vor Knappheiten, was auch als Druckmittel taugt. Nicht umsonst droht Russlands Präsident Wladimir Putin ausgerechnet jetzt wieder, Europa den Gashahn abzudrehen. Kalt lässt das alles im Moment eigentlich nur Haushalte mit Solaranlage, Wärmepumpe, E-Auto. Vielleicht ist das ein Anreiz zum mittelfristigen Umstieg – sofern genug Geld dafür da ist und Wohnsituation und Fahrprofil passen. Ansonsten bleibt gerade nur: Preise vergleichen, Nerven bewahren und auf eine Beruhigung der Lage hoffen.ANDREAS.HOESS@OVB.NET

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