Einen Regime-Sturz, der allein durch Luftangriffe herbeigebombt wird, hat es militärhistorisch noch nie gegeben. Deshalb setzen die USA und Israel jetzt offenbar darauf, die Kurden als Ersatz-Bodentruppen im Iran einzusetzen. Es ist ein Plan, der entlarvt, wie wenig durchdacht die Strategie der Angreifer ist.
Nur ein Zehntel der iranischen Bevölkerung sind Kurden. Ihr Interesse ist nicht, die Regierung in Teheran zu stürzen, sondern ihren Traum eines eigenen Kurden-Staats zu verwirklichen. Das Ergebnis einer kurdischen Bodeninvasion wäre also die Zerschlagung des Irans als Nationalstaat. Deshalb hat Schah-Sohn Reza Pahlavi aus dem Exil bereits allen „separatistischen Gruppen“ gedroht. Sprich: Die iranischen Kurden sind ein Spaltpilz für die iranische Opposition. Ihr Eingreifen würde zwar das Mullah-Regime militärisch schwächen, aber neue Probleme für eine mögliche Zukunft nach der Islamisten-Diktatur schaffen.
Dazu kommt, dass die (in sich ebenfalls zerstrittenen) Kurden allen Anlass haben, den USA zu misstrauen. Denn im Nordosten Syriens, wo sie faktische Autonomie erlangt hatten, wurden sie von den USA im Stich gelassen, als die syrischen Regierungstruppen sie dort jüngst attackierten.
Der offensichtlich von Benjamin Netanjahu initiierte Plan klingt wie eine Anleitung: „Wie entfache ich einen Flächenbrand?“ Denn sobald der Iran-Krieg auch ein Kurden-Krieg wird, werden Syrien, der Irak und das Nato-Mitglied Türkei, die allesamt einen Kurden-Staat um jeden Preis verhindern wollen, involviert. Trump und Netanjahu haben die Büchse der Pandora geöffnet. Aber der selbst ernannte beste Präsident der US-Geschichte hat sicher eine prima Idee, wie er sie wieder schließen kann…KLAUS.RIMPEL@OVB.NET