Gähnende Leere auf Teherans Straßen: Im Hintergrund ein Porträt des getöteten Ajatollah Chamenei. © Salemi/dpa
München – Den Plan soll Premierminister Benjamin Netanjahu ausgeheckt haben – als Ausweg, um ohne israelische oder US-Bodentruppen eine Invasion im Iran durchführen zu können: Kurdische Kämpfer, die von den USA ausgebildet und ausgerüstet wurden, sollen aus dem Irak in den Iran eindringen. Das dadurch entstehende Chaos sollen andere iranische Oppositionsgruppen nutzen, um sich gegen das Mullah-Regime zu erheben.
Laut dem israelischen Sender i24News sollen bereits tausende kurdische Milizen die Grenze überquert und Stellungen im nördlichen Teil von Irans Zagros-Gebirgskette bezogen haben. Aus der Stadt Marivan an der Grenze zum Irak sollen sich die Regierungstruppen bereits zurückgezogen haben.
Schon seit Monaten arbeite der US-Geheimdienst CIA daran, kurdische Kräfte zu bewaffnen, um einen Volksaufstand gegen das Mullah-Regime anzuzetteln, berichtet der Sender CNN. Darauf angesprochen, dementierte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt: „Artikel, in denen behauptet wird, der Präsident habe einem solchen Plan zugestimmt, sind komplett falsch und hätten gar nicht erst geschrieben werden dürfen.“
Bestätigt wurde vom Weißen Haus allerdings, dass US-Präsident Donald Trump am Dienstag mit Mustafa Hijri, dem Vorsitzenden der Demokratischen Partei Iranisch-Kurdistans (KDPI), wegen verstärkter Hilfe der USA telefoniert hat. „Wir glauben, wir haben jetzt eine große Chance“, zitierte CNN anonym einen iranisch-kurdischen Parteifunktionär.
Der Iran nimmt die kurdische Bedrohung offensichtlich ernst: Gestern feuerte das Mullah-Regime drei Raketen auf ein Hauptquartier kurdischer Einheiten im Irak ab. Der regierungstreue Sender Press TV veröffentlichte Videos, auf denen Einschläge in den Stellungen „anti-iranischer Separatisten“ zu sehen sein sollen.
Die irakischen Kurden haben zahlreiche Kämpfer an der rund 1500 Kilometer langen Grenze zum Iran stationiert und teilweise auch Verbindungen zur kurdischen Minderheit im Iran. Mehr als neun Millionen Menschen, ein Zehntel der iranischen Bevölkerung, sind kurdisch. Die Ermordung der jungen Kurdin Jina Mahsa Amini im Herbst 2022 hatte die Protestbewegung „Frauen, Leben, Freiheit“ ausgelöst, die brutal niedergeschlagen wurde.
Die USA hatten bereits im Krieg gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Irak und in Syrien auf kurdische Kämpfer gesetzt. Allerdings wurden die Kurden, die sich dadurch autonome Gebiete schaffen konnten, wiederholt von den USA im Stich gelassen, zuletzt erst vor wenigen Wochen: Als die syrischen Regierungstruppen ins Kurden-Gebiet im Nordosten Syriens vordrangen, erklärte Trumps Sondergesandter für Syrien, Tom Barrack, kühl: Die Kurden seien „bis 2019 der effektivste Partner am Boden bei der Zerschlagung des territorialen Kalifats des IS“ gewesen. „Der ursprüngliche Zweck“ dieser Zusammenarbeit habe sich jetzt aber „weitgehend erledigt“.