Die Aufregung ist mal wieder groß: Friedrich Merz hätte im Oval Office Donald Trump widersprechen müssen und Partei für Spanien ergreifen sollen, schimpfen sogar einige deutsche Kommentatoren. Er habe die Einheit der EU aufs Spiel gesetzt! Aber mal ernsthaft: Wer setzt denn hier die Einheit der EU aufs Spiel?
Spanien wird – anders als die meisten anderen EU-Staaten – von einer linken Regierung geführt, wobei Pedro Sánchez nicht einmal über eine eigene Mehrheit verfügt. Inhaltlich positioniert er seine sozialdemokratische Partei PSOE gerne auch gegen den EU-Konsens: Vor allem bei den Militärausgaben geht Madrid seinen eigenen Weg. Während sich die Nato-Staaten fünf Prozent des BIP bis 2035 als Ziel gesetzt haben, hält Madrid zwei Prozent für ausreichend. Im Ernstfall werden die anderen Nato-Staaten schon für Sicherheit sorgen. Auch jetzt, beim Krieg gegen ein Terroregime, macht man es sich mit einem harten Nein recht bequem. Und nicht vergessen: Schon mit der sehr Israel-kritischen Haltung im Gaza-Konflikt (inklusive ESC-Boykott) hat Sánchez in Berlin wenig Freunde gewonnen.
Das alles ist legitim, in Spanien gibt es eine andere Stimmung als hierzulande. Aber wer EU und Nato als Bund von Einzelstaaten definiert und selbstverständlich eine abweichende Haltung beansprucht, der darf sich nicht wundern, wenn andere diese Positionen nicht flammend verteidigen.