Ein TV-Spot wurde Kristi Noem zum Verhängnis.
Washington – Dass sie sich als „ICE“-Barbie wie ein selbstverliebter Influencer-Teenie in Szene setzte, eine Affäre mit ihrem ebenfalls verheirateten Mitarbeiter Corey Lewandowski gehabt haben soll oder unter ihrer Führung zwei Amerikaner von Einwanderungsbeamten erschossen wurden – das alles konnte ihr Donald Trump verzeihen. Dass Heimatschutzministerin Kristi Noem dann doch als erstes Kabinettsmitglied gefeuert wurde, lag nur daran, dass sie gegen die Regel Nr. 1 im Trump-Universum verstoßen hatte. Sie verbaute nämlich dem Präsidenten die Möglichkeit, wie gewöhnlich ein politisches Problem mit „ich hab von nichts gewusst“ weit von sich zu weisen.
Es war eine einzige Antwort vor dem Justizausschuss des Senats, die Noems politisches Schicksal besiegelte. Dabei ging es um eine aus Steuergeldern finanzierte, kontroverse Werbekampagne für Massenabschiebungen, in der sie sich selbst prominent in Szene gesetzt hatte. Noem behauptete, vom Präsidenten direkt damit beauftragt worden zu sein, diese Botschaft im ganzen Land und auch international zu verbreiten. Es folgte die ungläubige Nachfrage des republikanischen Senators John Kennedy aus Louisiana, ein enger Verbündeter der Regierung: „Sie wollen ernsthaft sagen, der Präsident hat vorher die 220 Millionen Dollar für eine Fernsehwerbung genehmigt, mit der Sie sich selbst in den Mittelpunkt rücken?“ Noem kapierte nicht, wie dünn das Eis war, auf dem sie stand, und blieb bei ihrer Version der Ereignisse.
Kennedy klang fassungslos: „Damit bringen sie Präsidenten jetzt in eine sehr unangenehme Lage!“ Womit er Recht behielt. Berichten zufolge soll Trump in die Luft gegangen sein, als er von dem Schlagabtausch erfuhr, bei dem Noem ihn als (Mit)-Schuldigen geoutet hatte. Noem wurde Donnerstagmorgen darüber informiert, dass sie ihren Posten im Heimatschutzministerium räumen muss und vom republikanischen Senator Markwayne Mullin ersetzt werden soll.
Während ihrer Amtszeit leitete die frühere Gouverneurin von South Dakota eine beispiellose Verschärfung der Grenzpolitik und verantwortete eine der umfassendsten Maßnahmen gegen illegale Einwanderung der jüngeren US-Geschichte: Mehr als 675.000 Menschen wurden abgeschoben – selbst gegen richterliche Verfügungen. ICE-Beamte verhafteten oft willkürlich Menschen wegen ihrer Hautfarbe und erwischten dabei auch legale Einwanderer, US-Bürger sowie amerikanische Ureinwohner.
Die lauteste Kritik gab es nach zwei tödlichen Schusswechseln durch ihre ICE-Beamten in Minneapolis. Dennoch holte Trump sie aus der Schusslinie. Um dann aber doch seinen Lieblingsspruch wiederzubeleben: „YOU ARE FIRED!“CHRISTIAN THIELE