Die Sexismus-Wahl im braven Ländle

von Redaktion

Grüne Aufholjagd gegen CDU

Auch die Grünen, die sich so gern als das moralische Gewissen der Nation aufspielen, können Schmutz: Ein acht Jahre altes Video, veröffentlicht von einer grünen Bundestagsabgeordneten zwei Wochen vor der Baden-Württemberg-Wahl, ist dort zum zentralen Wahlkampfthema geworden. Darin schwärmt der damals 29 Jahre alte CDU-Mann Manuel Hagel nach einem Realschulbesuch von einer Schülerin mit „rehbraunen“ Augen. Seither diskutieren die braven Leute im Ländle nur noch über den angeblichen Sexismus-Skandal. Gerade so, als gäbe es den wirtschaftlichen Abstieg des Bundeslandes nicht und auch nicht die tiefe Krise beim „Daimler“. Beteuerungen des grünen Spitzenmanns Cem Özdemir, er habe mit der Sache nichts zu tun, sind mit Vorsicht zu genießen. Zwei Tage vor Veröffentlichung des Videos hatte er sich mit besagter Bundestagsabgeordneter getroffen. Nur Zufall?

Das ist die eine Seite. Die andere: Das alte Schlachtross Özdemir hat, im Gegensatz zu seinem glatten CDU-Konkurrenten, einen fulminanten Wahlkampf geliefert. Noch im Oktober war die CDU den Grünen um bis zu 14 Punkte enteilt. Dann startete Özdemir seine Aufholjagd auf den allzu siegesgewissen und passiven Favoriten. Jetzt sieht eine Umfrage zwei Tage vor der Wahl beide Kopf an Kopf bei je 28 Prozent. Das zeigt: Die in Berlin abgestraften Grünen können immer noch Volkspartei – wenn sie, wie sie es im Südwesten traditionell tun, die Wähler der Mitte umwerben. Dafür hofierte Özdemir den von den linken Bundesgrünen aus der Partei gedrängten tüchtigen Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, dafür kritisierte er zum Unmut vieler Parteifreunde sogar die unkontrollierte Migration seit 2015. Gar über ein Ministeramt für Palmer wird getuschelt.

Schlecht bekommen ist Hagel überdies die Parteienkonstellation, die seit Monaten keine andere Regierungskoalition als Schwarz-Grün (oder Grün-Schwarz) erwarten ließ. Wenn eh klar ist, welche Parteien die künftige Regierung bilden, entscheiden sich viele Wähler für den stärkeren Spitzenkandidaten. Und das war in den Augen der Wählerinnen und Wähler mit turmhohem Abstand Cem Özdemir. Für die Merz-CDU lautet die Frage nur noch, ob sie die Wahlarena am Sonntag mit einem blauen Auge verlässt – oder mit zwei.

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